Doctor Who – Season 11 Box (DVD)

Doctor Who – Season 11 Box
GB 2018

Rezension von Christel Scheja

Mit der 11. Staffel beginnt nicht nur ein neuer Showrunner seine Geschichten zu erzählen und der Kultserie „Doctor Who“ eine neue Prägung zu geben, Chris Chibnall hat auch etwas getan, was vor ihm kein anderer gewagt hat: Den Zeichen der Zeit folgend ist der Timelord natürlich regeneriert, jedoch nicht wie gewohnt in einen Mann sondern in eine Frau, verkörpert von der erfahrenen Schauspielerin Jodie Whittaker.

Allerdings musste die Serie auch ein paar Einbußen hinnehmen, die BBC genehmigte für die elfte Staffel nur noch zehn Folgen anstatt der gewohnten zwölf. Diese präsentiert Polyband nun in verschiedenen Ausgaben, unter anderem auch der preisgünstigen Standardausgabe als DVD. Auf den Silberscheiben befinden sich einige kurze Making-Ofs, begefügt wurde auch ein informatives Booklet.

 

Merkwürdige Funde und Begegnungen bringen die junge Polizistin Yasmin Khan und ihren ehemaligen Schulkameraden Ryan Sinclair wieder zusammen. Gleichzeitig treffen auch Ryans Großmutter Grace und ihr Partner, der pensionierten Busfahrer Graham, bei einer Zugfahrt auf eine merkwürdige Fremde, die seltsames Zeug redet. Doch schon bald bilden sie eine Schicksalsgemeinschaft.

Auch wenn Graham und Ryan im Zuge des Kampfes gegen außerirdische Kräfte einen schweren Verlust verkraften müssen, kehren sie doch nicht mehr in ihr altes Leben zurück nachdem sie einmal Blut geleckt haben, genauso wie Yasmin.

Schon das erste Abenteuer auf einem fremden Planeten schmiedet zusammen, das Band wird noch enger, als es sie in vergangene Zeiten verschlägt, die nicht nur den Betroffenen unter die Haut gehen - sei es, dass sie Rosa Parks beschützen müssen, damit sie das tun kann, was sie berühmt gemacht hat, sondern auch, dass Yasmin die „Dämonen des Punjab“ kennenlernt oder alle drei als Hexenjäger erfolgreich zusammenarbeiten müssen. Und natürlich warten auch ein galaktischer Versandservice und ein Rettungsraumschiff mit Überraschungen auf.


Im Vorfeld mag es viele Diskussionen gegeben haben, ob es wirklich richtig war, eine solch ikonische Figur wie Doctor Who, den viele über fünfzig Jahre als Mann angesehen haben, plötzlich in eine Frau zu verwandeln. Doch wen sonst? Die besondere Eigenart des Doktors erlaubt den Geschlechtswechsel einfach zu begründen, zumal Moffat bereits die Vorlage mit dem Master geliefert hat und „Missy“ begeisterte Fans fand. Jeder Zuschauer muss nun natürlich für sich herausfinden, ob er sich damit wohlfühlen kann.

Jodie Whittaker zumindest macht ihre Arbeit gut. Sie spielt den Doktor quirlig und lebhaft, nicht auf den Kopf gefallen und findig, aber eben auch nicht perfekt. Selbst eine mitfühlende und melancholische Seite fehlt nicht.

Der einzige Kritikpunkt mag sein, dass sie oft hinter den Begleitern zurückstehen muss und nicht ganz so aktiv sein kann wie ihre Vorgänger, aber das kann sich durchaus noch in der nächsten Staffel ändern.

Auch in der Konzeption der Staffel geht Chibnall einen anderen Weg. Er setzt mehr auf soziale und geschichtliche Themen, bietet immer wieder nachdenkenswerte Momente und erinnert gerade in „Rosa“ und „Dämonen in Punjab“ an dunkle Momente in der menschlichen Geschichte, führt den Zuschauern Rassismus in seinen verschiedenen Formen vor Augen, mag es nun im Amerika der 50er Jahre sein oder am Tag der Teilung Indiens in die Staaten Pakistan und Indien.

Und wen er in „Spinnefeind“ und „Kerblam!“ auf die Schippe nimmt, muss er dem Zuschauer auch nicht lange erklären.

Inhaltlich ist diese Staffel damit politischer und gesellschaftskritischer als alle anderen nach dem Neustart der Kult-Serie im Jahr 2005. Das sorgt aber auch dafür, dass man irgendwann die leichtfüßigen oder actionreichen Abenteuer vermisst, in denen auch schon einmal Klischees gefeiert wurden und die genauso dazu gehören wie die ernsten Geschichten in „Doctor Who“. Nur wenige Folgen sorgen allein schon durch Schaue-Effekte für Staunen.

Die Erzählweise ist insgesamt ruhiger, da die Autoren sehr auf das Gefühlsleben und die Gedanken der Helden eingehen. Dadurch lernt man vor allem die sehr unterschiedlichen Begleiter sehr gut kennen, die zudem etwas vorleben, was auch in der modernen britischen Gesellschaft noch nicht funktioniert - die völlige Akzeptanz von ethnischer Herkunft und Abstammung.

Chibnall ist die zwischenmenschliche Interaktion wichtiger als alles andere - und das macht auch die Folgen oft mehr zu einem Sozio-Drama als einer Science-Fiction-Serie. Alles in allem ist dieser Ansatz natürlich sehr interessant und teilweise auch spannend umgesetzt wie in „Kerblam!“ oder intensiv-mitfühlend wie in „Rosa“, aber man braucht auch als Zuschauer einiges an Zeit, um sich an die neue Erzählweise zu gewöhnen und sich an den veränderten Stil anzupassen.

Andererseits bringt das natürlich auch erst einmal wieder frischen Wind in die Kult-Serie, schaltet von den abgedrehten und manchmal weit hergeholten epischen Ideen wieder auf einen bodenständiger Level. Und so sehr man auch die ikonischen Gegenspieler vermissen mag - ein bisschen Pause von den Daleks und Cybermen sollte sein.

Die Spezialeffekte sind so aufwendig wie eh und je, auch das Set-Design entspricht der Atmosphäre der neuen Serie. Die deutsche Synchronisation ist erneut sehr sauber und nahe am Original, so dass man als Fan zufrieden sein kann. Die Extras auf den DVDs entsprechen vermutlich denen der britischen Ausgabe, das Booklet ist eine mehr als gelungene Zugabe.

Fazit: Die elfte Staffel von „Doctor Who“ kann man so sehen wie man will: als totalen Reinfall oder als Offenbarung. Eines ist jedoch sicher: Chris Chibnall und Jodie Whittaker haben der Kult-Serie ein neues Gesicht gegeben, das für frischen Wind sorgt und eines deutlich macht - der Timelord ist so wandelbar wie eh und je, auch wenn aller Anfang für die Zuschauer erst einmal schwer ist, die sich auf wesentlich gesellschaftskritischere und weniger episch-verspielte Geschichten einstellen müssen. Aber auch diese neuen Episoden haben ihre unvergesslichen Momente und spannenden Entwicklungen, die das Universum von „Doctor Who“ interessant zu erweitern wissen.


DVD-Facts:
Bild: 2,00:1 (16:9)
Ton: deutsch Dolby Digital 5.1, englisch Dolby Digital 5.1
Untertitel: deutsch. englisch

DVD-Extras:
Making-ofs