R. A. Salvatore: Das Lied von Usgar (Buch)

R. A. Salvatore
Das Lied von Usgar
(Child of a mad God, 2018)
Übersetzung: Claudia Kern
Titelbild: Larry Rostant
Cross Cult, 2018, Taschenbuch, 700 Seiten, 16,00 EUR, ISBN 978-3-95981-812-4 (auch als eBook erhältlich)

Rezension von Christel Scheja

Über R. A. Salvatore muss man nicht mehr viel schreiben, gehört er doch seit fast dreißig Jahren zu den beliebtesten Autoren der Welt und hat unvergessliche Figuren wie Drizzt du‘Urden, den Dunkelelfen geschaffen, der sich von seinem mörderischen Volk abwandte. Inzwischen hat er unzählige Romane veröffentlicht - zum größten Teil Lizenzprodukte, aber auch eigene Reihen. „Das Lied von Usgar“ scheint der Auftakt zu einer neuen Serie zu sein.

 

Aoleyn lebt in einem Stamm grausamer Barbaren. Seit dem Tod ihrer Eltern durch eine grausame Bestie wird sie von einer älteren Frau aufgezogen, die einstmals zu dem Kreis zaubermächtiger Frauen gehörte, der dem Stamm mit ihrer magischen Verbundenheit zu dessen Kristallgott Usgar dient. Deshalb ist es schon als Kind ihr erklärtes Ziel, dem Zirkel anzugehören und nicht einem der brutalen Männer als Weib dienen zu müssen, die immer wieder auf die Jagd oder zu irgendwelchen Raubzügen aufbrechen.

Als sie noch ganz klein ist, bringen die Krieger eine hochschwangere Frau in die Siedlung, die sie aus einer der umliegenden Dörfer der sesshaften Stämme verschleppt haben und schon bald wird ein Kind geboren werden, ein Junge, dessen Schicksal sich auf seltsame Weise mit dem ihren verbindet.

Doch zuvor wächst Aoleyn erst einmal zu einer starken und selbstbewussten jungen Frau heran, die sich ihrer Macht nach und nach immer mehr bewusst wird und ihren eigenen Weg gehen will, fernab von den anderen Hexen und den Kriegern. Doch noch ahnt sie nicht, dass ausgerechnet einer der Stammesführer ganz besondere Pläne mit ihr hat. Denn da sind noch die Fossa, schier unbesiegbare Bestien, die alle jagen, die über die Macht Usgars gebieten…


Man kann sagen was man will, Salvatore hat durchaus nicht verlernt, unterhaltsame und actionreiche Geschichten zu erzählen, denn dieser Band ist immer noch wie aus einem Guss, bietet Action und Horror, wie man es sich von einem kernigen Sword- & Sorcery-Abenteuer wünscht.

Der Autor weiß genau, welche Fäden er ziehen muss, um die Spannung auf einem hohen Niveau zu halten und die Erwartungen der Leser zu erfüllen oder neu zu schüren. Denn neben einer lockeren Verbindung zu anderen seiner freien Serie in einer Nebenhandlung erzählt er auch die Geschichte seiner Heldin von ihrer Kindheit bis zu dem Moment, in dem sie langsam aber sicher erwachsen wird.

Wie so oft bei seinen Geschichten sollte man aber keinen allzu großen Tiefgang erwarten denn Aoleyn ist wie alle Charaktere, die der Autor geschaffen hat, sehr einfach gestrickt, die Nebenfiguren noch mehr, einige davon erhalten nicht mehr Profil als nötig, um ihren Part in der Geschichte zu erfüllen.

Das Geschehen läuft wie ein gut geöltes Uhrwerk gleich auf mehreren Ebenen, um den Leser bei der Stange zu halten. Erfahrene Leser werden leicht die bereits bekannten, weil von ihm gerne genutzten Versatzstücke erkennen und sich darüber amüsieren können, denn so ganz neue Wege einschlagen kann Salvatore auch nicht.

Was bleibt ist auf jeden Fall ein kerniges Abenteuer, bei dem die Fantasy gerne auch schon mal blutig und brutal wird, so dass zartbesaitete Gemüter besser die Finger davon lassen sollten.

Der Hintergrund ist ein simpel gestrickter Mikrokosmos für sich, der sich ganz auf einen See, ein paar Dörfer und die umliegenden Berge konzentriert und deshalb auch nicht sehr erklärt werden muss, so dass mehr Platz für das actionreiche und blutige Geschehen bleibt.

Alles in allem ist „Das Lied von Usgar“ der Auftakt zu einer actionreichen und kernigen Sword- & Sorcery-Saga, die vermutlich nicht nur Fans von R. A. Salvatore ansprechen wird, sondern auch alle anderen Freunde von Fantasy härterer Gangart, da kein Vorwissen über irgendwelche anderen Serien benötigt wird.