Literatur-News

Erschienen: "Homunkulus"

Erst als das Mikroskop umfiel, öffnete er die Augen, und da sah er: einen nackten Menschen, der auf der Tischkante saß und ihn groß anblickte. Die Glieder des Geschöpfes waren zart, aber von einer herrlichen Ebenmäßigkeit. Am auffallendsten aber waren die wunderbaren Augen und die gewaltigen Ausmessungen des Schädels, die indessen nichts Pathologisch-Makrocephales an sich hatten. Ein Schauer der Ehrfurcht durchrieselte Berthold. Dem großen Weltgeist hatte es gefallen, ihm die Lösung des Schöpfungsrätsels zu geben.

Im Bereich der Phantastischen Literatur ist Alfred Manns (1877 bis 1934) ein weitestgehend unbeschriebenes Blatt. Die in "Homunkulus" versammelten 15 Geschichten entstammen einem Zeitraum von rund 15 Jahren und zeigen einen Autor mit einem bemerkenswert inkonsistenten Werk. Von frühen Science-­Fiction-Ideen über unnatürliche, schicksalshafte Verkettungen hin zu übersinnlichen Visionen und Parabeln aus dem Tierreich. Das Taschenbuch ist in der Edition Dornbrunnen erschienen. (138 Seiten, 10,00 EUR)

Quelle: Edition Dornbrunnen