Nick Harkaway: Der goldene Schwarm (Buch)

Nick Harkaway
Der goldene Schwarm
(Angelmaker)
Aus dem Englischen übersetzt von André Mumot
Titelillustration von Glenn O’Neill
Knaus, 2014, Paperback mit Klappenbroschur, 606 Seiten, 19,99 EUR, ISBN 978-3-8135-0534-4 (auch als eBook erhältlich)

Von Carsten Kuhr

Joe Spork kommt nach seinem Großvater. Dieser hatte sich als findiger Uhrmacher einen Ruf aufgebaut, den sein Sohn, Joes Vater, mit Füßen getreten hat. Statt als Zeitmechaniker zu arbeiten, hat sich Joes Vater als versierter Verbrecherkönig von London einen Namen gemacht und den Nachtmarkt gegründet. Sein Sohn hat sich trotz aller Kontakte dafür entschieden, den doch etwas nervenschonenderen Beruf des Antiquitätenhändlers zu ergreifen.

Natürlich ist er einem guten Geschäft nie abgeneigt, repariert aber auch mit Hingabe und Können alte Erfindungen, Uhrwerke und Antriebe. Eine seiner Auftraggeberinnen, eine etwas wunderliche Alte mit einem blinden Hund, stellt ihn auf die Probe. Er vermutet, dass weit mehr hinter der Rentnerin steckt, als man der 98jährigen ansieht, ahnt dabei aber nicht, wie sehr er die ehemalige Top-Agentin im Dienst des Empires unterschätzt - und in welcher Beziehung die Unbekannt mit ihm und seiner Familie steht.

Ein etwas zwielichtiger Auftrag führt ihn an die Küste Cornwalls. Hier soll er, in einer einsamen Villa direkt an der Steilküste, ein funktionsunfähiges Etwas reparieren - und er setzt dabei ungewollt eine Weltuntergangsmaschine in Gang, die nicht nur die Ruskiniten auf den Plan ruft, sondern auch das absolut Böse in Gestalt eines Mannes, der sich selbst zum Gott erheben will - und dabei ist, dieses Ziel zu erreichen…


Was ist dies für ein Roman? Krimi, nein, nicht wirklich, obwohl der Plot durchaus Elemente aus dem Kriminalroman nutzt. Thriller, Spionageroman, Phantastik gemixt mit Steampunk und einer Prise furchterregendem Horrors - von jedem ein wenig, bietet sich der Inhalt als überaus gelungene Komödie mit viel Tiefgang, Wahrheiten und Faszination an.

Es geht um den Weltuntergang, um Verschwörer und Geheimdienst-Agenten, um weise Alte und alte Weisheiten, um Abenteuer und immer wieder um Geheimnisse, die die Welt nicht erfahren muss und nie erfahren darf.

In Geschichten in der Geschichte berichtet uns Harkaway von Joes Vater, dem Verbrecher. Mit viel Einfühlungsvermögen und Sympathie zeichnet er hier eine Kindheit Joes, die uns anrührt, die den Zeitgeist der 70er Jahre atmet und amüsant zu lesen ist. Und er erzählt uns unaufdringlich aber sehr intensiv, wie aus dem Jungen der Mann wurde, als den wir Joe kennenlernen.

Weiter zurück geht es in den Geschichten um die Agentin in Dienste des Königs George. Der Zweite Weltkrieg zeichnet sich am Horizont ab, als wir der jungen Frau in ihre Einsätze gegen das personifizierte Böse folgen. Da geht es ins Indisch-Afghanische Grenzgebiet oder an Bord eines von Ruskiniten gefertigten Zugs oder U-Boots quer durch Britannien und rund um die Welt. Hier schmunzeln wir angesichts der Geschehnisse, der Überlegungen und Erfahrungen unserer Protagonistin, folgen ihr mit klopfendem Herzen bei den Aufträgen und bangen um ein gutes Ende, das, das wissen wir, nicht kommen wird.

Was und wie diese Bestandteile sich dann zu einem wahrhaft aufsehenerregenden Ganzen fügen, das gängige Showdowns weit hinter sich lässt, dürfen Sie gerne selbst nachlesen; ein paar Tage Zeit allerdings sollten sie sich nehmen - denn für viel Anderes, als das Buch, bleibt dann kaum Zeit.