Beril Kehribar: Bones - The Darkest Academy 1 (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Dienstag, 11. August 2026 06:59

Beril Kehribar
Bones
The Darkest Academy 1
Knaur, 2026, Paperback, 526 Seiten, 18,00 EUR
Rezension von Carsten Kuhr
Dark Academia ist längst zu einem festen, erfolgserprobten und umsatzträchtigen Bestandteil der Fantasy- und Romantasy-Landschaft geworden. Verbotene Magie, geheimnisvolle Lehranstalten und eine Prise morbider Love Story gehören mittlerweile beinahe zum Standardrepertoire des Sub-Genres.
Mit „Bones“, dem Auftaktband von „The Darkest Academy“, betritt Beril Kehribar also kein Neuland. Bemerkenswert ist jedoch, wie souverän sie die vertrauten Zutaten zu einem atmosphärischen, unterhaltsamen Roman verarbeitet.
Im Zentrum der Geschichte steht Lucinda Cross, die nach dem gewaltsamen Tod ihrer Eltern in den Schatten der Unterstadt aufwächst. Ihr einziger treuer Begleiter ist der Vogel Ash, der sie nicht nur an ihre Mutter erinnert, sondern ihr auch beim Überleben hilft.
Als sie an ihrem 21. Geburtstag eine Einladung an die berüchtigte Vorgoth-Akademie erhält, eröffnet sich ihr eine unbekannte Welt voller Hexerei, Machtspiele und uralter Geheimnisse - eine Welt, die ihr zugleich Antworten auf ihre Vergangenheit verspricht.
Vorgoth selbst ist dabei weit mehr als nur eine reizvolle Kulisse. Die Akademie entwickelt fast so etwas wie ein düsteres Eigenleben. Hier begegnet uns ein Ort, an dem Ehrgeiz und Magie ebenso gefährlich sind wie die Menschen, die sie beherrschen. Prüfungen, rivalisierende Hexen und politische Intrigen sorgen für ein permanentes Gefühl unterschwelliger Bedrohung. Die Autorin versteht es, diese Atmosphäre mit wenigen Sätzen lebendig werden zu lassen und den Leser tief in ihre Schöpfung hineinzuziehen.
Besonders gelungen ist dabei die Figurenzeichnung. Lucinda ist keine makellose Heldin, sondern eine junge Frau, deren Narben ebenso tief sitzen wie ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Ihre Entwicklung von der verängstigten Überlebenskünstlerin zur selbstbewussteren Akteurin bildet das Rückgrat des Romans. Unterstützt wird dies durch die Perspektivwechsel, die immer wieder Einblicke in andere Figuren gewähren und das Geschehen facettenreicher erscheinen lassen.
Natürlich spielt auch die Romantik eine wichtige Rolle. Mit Devriel und Ezra präsentiert Kehribar zwei Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten und dennoch beide eine starke Anziehungskraft auf Lucinda ausüben.
Erfreulicherweise erschöpft sich der Roman jedoch nicht in den Mechanismen eines üblichen Love-Triangels. Freundschaft, Loyalität, Verlust und die Suche nach einer selbstgewählten Familie erhalten mindestens ebenso viel Raum wie die romantischen Verwicklungen. Diese Passagen fügen sich überraschend harmonisch in die Handlung ein und dienen der Figurenentwicklung.
Nicht alles gelingt dabei vollkommen. Einige Wendungen und Genre-Tropen zeichnen sich früh ab, und erfahrene Romantasy-Leser werden manches Geheimnis bereits vor seiner Enthüllung erahnen. Doch Kehribar präsentiert uns ihre Handlung mit ausreichend Tempo, Intensität und sympathischen Figuren, sodass die Vorhersehbarkeit kaum ins Gewicht fällt.
Vor allem überzeugt „Bones“ durch seine Mischung aus düsterer Magie und emotionaler Wärme. Hinter den Kämpfen, Prüfungen und Geheimnissen verbirgt sich eine Geschichte über Menschen, die versuchen, ihren Platz in einer feindlichen Welt zu finden. Dass das Finale nicht den erwarteten Weg einschlägt und stattdessen mit einigen überraschenden Entwicklungen aufwartet, steigert die Vorfreude auf die Fortsetzung zusätzlich.