Falk-Ingo Klee: Die Vierte Macht (Buch)

Falk-Ingo Klee
Die Vierte Macht
Verlag Peter Hopf, 2026, Hardcover, 190 Seiten, 24,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Was schreibt das Leben doch für Geschichten. Zwei ehemalige WG-Mitbewohner, mittlerweile arrivierte Mediziner in leitenden Positionen, treffen sich zufällig auf einem Flug nach China wieder. In der Business Class wird die unerwartete Begegnung mit einem Glas Sekt begossen. Der Toast ist kaum ausgesprochen, da wird es dunkel um sie. Als sie wieder zu sich kommen, finden sie sich an Bord eines Raumschiffs wieder.

Verantwortlich für ihre Entführung sind die Drüttfoorer, eine intelligente Spezies mit amphibischen Wurzeln. Ihr Volk wird von einer rätselhaften Seuche heimgesucht: Husten, Fieber, Tod - die Symptome folgen einem ebenso simplen wie tödlichen Muster. Da die außerirdischen Wissenschaftler mit ihrem Latein am Ende sind, sollen nun die beiden Menschen helfen. Dass keiner von ihnen noch aktiv praktiziert und einer sogar Veterinär ist, macht die Ausgangslage nicht gerade vertrauenerweckender.

 

Die Zusammenarbeit von Verlag Peter Hof und Falk-Ingo Klee trägt erneut Früchte. Nach den Neuauflagen der klassischen Science-Fiction-Romane des Autors sowie den „Undertaker“-Krimis, legt Klee nun einen neuen Ausflug in die Zukunft vor - und bleibt dabei erfreulich seinen Wurzeln treu.

Wer moderne Hard SF mit technischer Detailversessenheit oder militärische Weltraum-Epik erwartet, ist hier allerdings an der falschen Adresse. Klee schreibt Science Fiction alter Schule. Nicht die Maschine steht im Mittelpunkt, sondern der Mensch - beziehungsweise in diesem Fall auch das Alien.

Seine Drüttfoorer gehören zu den großen Stärken des Romans. Sie sind keine verkappten Menschen mit Tentakeln oder Schuppenhaut, sondern tatsächlich fremdartige Wesen mit eigenen Denkweisen, kulturellen Eigenheiten und biologischen Besonderheiten. Immer wieder gelingt es dem Autor, diese Andersartigkeit mit Humor und Einfallsreichtum darzustellen.

Dabei entwickelt der Roman einen Charme, der an die klassische deutschsprachige Science Fiction der 1970er und 1980er Jahre erinnert. Klee interessiert sich weniger für technologische Spekulationen als für die komischen und absurden Folgen, die entstehen, wenn unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen. Aus dieser Prämisse gewinnt er zahlreiche gelungene Szenen und streut nebenbei manche augenzwinkernde Anspielung auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen ein.

Große Tiefe oder komplexe Zukunftsentwürfe sollte man dabei nicht erwarten. Doch das ist auch kein Anliegen des Romans. Klee will unterhalten, und das gelingt ihm mit leichter Hand. Sein kurzer Roman liest sich flott, bietet sympathische Figuren, einige originelle Ideen und vor allem eine erfreulich eigenständige außerirdische Spezies. Manchmal ist das genau die Art von Science Fiction, die man sich wünscht: neugierig, verspielt und mit einem Gespür für das Wunderbare.