Anne Herzel: Schlammlerche - Lichter unter London 0 (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 14. Mai 2026 12:43

Anne Herzel
Schlammlerche
Lichter unter London 0
Cross Cult, 2026, Paperback, 378 Seiten, 18,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
In ihrer „Lichter unter London“-Dilogie entführte Anne Herzel in eine für die Menschen verborgene Welt, tief unter der Oberfläche, die nicht nur bedeutsame Schätze besitzt, sondern auch ungeahnte Gefahren und Menschen, die sich daran bereichern wollen. Nun kehrt sie in diesen eigenständigen Kosmos zurück, allerdings mit einem Prequel, das gut dreißig Jahre vor der Hauptgeschichte spielt.
Um ihrem desolaten Leben zu entfliehen und auf eigenen Beinen zu stehen, wagt Phoebe Ellis alles, indem sie in die Abgründe unter London hinabsteigt und Artefakte aus den Katakomben holt, um diese gewinnbringend zu verkaufen. Das bleibt nicht unbemerkt.
Als sie erwischt wird, stellt sie der Anführer der Mudlarks, die den Untergrund bewachen, vor die Wahl, entweder im Knast zu landen oder eine von ihnen zu werden, Denn Greyson Evans sieht in ihr die erste Frau, die sich in seinem Team bewähren könnte.
Natürlich nimmt Phoebe sein Angebot an, weil sie nicht in einer Gefängniszelle landen will und lässt sich auf die harte Ausbildung ein, in der sie es als Frau doppelt schwer hat und dabei auch ein paar wichtige Weichen für das stellt, was sie im Zweiteiler später zur Antagonistin macht.
Denn das Leben ist nicht immer leicht, das Geplänkel zwischen ihr und den Männern härtet sie ab, ebenso wie das immer tiefere Eintauchen in die ebenso faszinierende wie tödliche Höhlenwelt.
Man merkt dabei deutlich, dass die Mudlarks gerade erst anfingen, sich durch den Untergrund zu bewegen und vor allem die dritte Ebene noch völliges Neuland war. Dennoch wiederholt sich Herzel nicht, sondern gibt gerade dem Hintergrund einige neue Facetten, die diese bizarre Welt und ihre Bewohner vertiefen.
Der Ton ist dabei ein anderer als in der Hauptserie, denn Phoebe ist hart und zu allem entschlossen, ihre Ziele zu erreichen und sich von ihren Konkurrenten nicht ausbooten zu lassen. Niederlagen härten sie ebenso wie Verluste ab.
Zugleich lernt man neben ihrem Mentor auch dessen Sohn Blaise kennen, zu diesem Zeitpunkt noch ein Kind, so dass eine Verbindung zur Dilogie geschaffen ist. Das Hauptaugenmerk des Romans liegt allerdings auf dem harten Miteinander unter den Mudlarks und den Grauzonen, die sie beschreiten, als sie die wahre Macht gewisser Artefakte erkennen.
Wie einst die Konquistadoren scheuen sie sich auch nicht, die Ureinwohner auszurotten und ihnen deutlich zu schaden. Und natürlich wird dies Phoebe nach und nach verändert. Und das ist wohl das Besondere an der Geschichte, die oft genug Klartext redet, hart und brutal daherkommt.
Hier ist tatsächlich der Weg das Ziel, und den beschreitet die Autorin sehr konsequent und gibt damit einer Gegenspielerin aus ihrem Hauptwerk Hintergrund und vor allem ein ausgereiftes Profil.
Fans von düsterer Urban Fantasy - garniert mit spannenden Abenteuern in einer exotischen Unterwelt und Military-Vibes - werden ihren Spaß an „Schlammlerche“ haben. Der Roman ist auch ohne Kenntnis der beiden zuvor erschienen Romane verständlich, es macht aber auch Spaß, die Querbezüge nachzuverfolgen.