Nikki St. Crowe: West of the Wicked - Great and Terrible Land 1 (Buch)

Nikki St. Crowe
West of the Wicked
Great and Terrible Land 1
(West of the Wicked, 2026)
Übersetzung: Maria Schmidt & Janika Krichtel
Bramble, 2026, Hardcover, 352 Seiten, 24,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Zu den ersten phantastischen Geschichten aus der Feder eines amerikanischen Autors gehörte wohl die „Oz“-Reihe, die zunächst für Kinder gedacht war, dann aber auch Erwachsene begeisterte und vor allem durch seine Verfilmungen eine breitere Öffentlichkeit erreichte. Nun haben auch findige Autorinnen die Welt aufgegriffen und bevölkern sie mit eigenen Neuinterpretationen der klassischen Geschichten, wie etwa Nikki St. Growe in „West of the Wicked“, dem Auftakt der „Great and Terrible Land“-Saga.

 

Dorothy Gale ist ein Waisenkind, aufgezogen von liebenswerten Menschen. Doch wer sie ist und wie sie zu ihnen kam, das kann niemand sagen. Und so bleibt die junge Frau von einer inneren Unruhe erfüllt, auch wenn sie einen Nachbarsjungen heiraten und ein normales Leben führen könnte.

Eines Tages fegt ein Wirbelsturm über das Haus in Kansas hinweg und trägt Dorothy zusammen mit ihrem Hund Toto in eine bizarre Welt, die verflucht ist und in der scheinbar grausame Hexen das Sagen haben. Um Antworten auf Alles zu finden und wieder nach Hause zurückkehren zu können, macht sich die junge Frau auf die Suche nach dem Zauberer von Oz.


Auf den ersten Blick folgt die Autorin der bereits sattsam bekannten Handlung, spickt sie aber schon recht früh mit eigenen Ideen, denn Dorothy Gale ist kein vorpubertäres und unschuldiges Mädchen mehr, sondern eine erwachsene Frau mit einer ausgeprägten Libido, die durchaus ihre Leidenschaft zu genießen weiß.

Da sie recht bodenständig aufgewachsen ist, lässt sie sich schon bei ihrer Ankunft nicht sonderlich einschüchtern und macht sich ihr eigenes Bild von der Lage, denn sie merkt recht schnell, dass selbst die freundliche Hexe, die ihr wichtige Ratschläge gibt, eigene Interessen hat.

Deshalb handelt Dorothy viel aktiver und selbstbewusster als andere Heldinnen, begibt sich auf eine Queste, die sich recht schnell zu einem dramatischen Abenteuer entwickelt, da natürlich eine andere Hexe es jetzt auch noch auf sie abgesehen hat. Zudem begegnet sie dem ebenso charismatischen wie geheimnisvollen Rook.

Es bekommen auch die anderen wichtigen Figuren der Geschichte besondere Auftritte, obwohl ihre Rollen ganz anders definiert werden. Das hat durchaus seinen Reiz, allerdings hat die Autorin auch etwas Anderes im Blick, mischt sie doch ihre Ideen und die bekannten Elemente munter mit einer deftigen Liebesgeschichte.

Das sorgt dafür, dass das Fantasy-Abenteuer in der zweiten Hälfte in den Hintergrund tritt und leider ein wenig zu sehr durch Beziehungsgeplänkel ersetzt wird, wie man es schon in vielen anderen romantischen Geschichten gelesen hat. So bleibt letztendlich ein zwiespältiger Eindruck zurück, zumal das Buch auch mit einem der üblichen Cliffhanger endet.

Man merkt, dass „West of the Wicked“ auf Leserinnen zugeschnitten ist, die nicht nur die „Wicked“-Musicals, sondern auch das Original von Frank L. Baum lieben und Lust auf eine leidenschaftlich-romantische Neuinterpretation des klassischen Abenteuers haben. Es gibt zwar ein paar nette Ideen, die auch Genre-Fans gefallen könnten, allerdings verliert sich die Magie im Verlauf des Geschehens etwas.