Philipp Lohmann (Hrsg.): RHoN: Folkhorror-Anthologie (Buch)

Philipp Lohmann (Hrsg.)
RHoN: Folkhorror-Anthologie
Mit Beiträgen von Wolf Dietrich, Felicia Scharsich, Antje & Sven Kröpelin, Julian Grede, Karl-Heinz Zapf, Erik Hoffmann, Jan Ritterfeld und Sonja Bergermann
2026, Taschenbuch, 176 Seiten, 13,90 EUR

Rezension von Christel Scheja

„RHoN“ ist ein Pen-und-Paper-Rollenspiel, das bewusst einen spätmittelalterlichen Hintergrund mit Nachkriegswirren und düsteren Horror-Elementen - vor allem aus dem Volksglauben - nutzt. Einige Spieler und Autoren haben sich nun zusammengefunden, um mit ihren insgesamt elf Geschichten genau diese Stimmung in „RHoN: Folkhorror-Anthologie“ einzufangen.

 

Die Inquisitorin Gertrud Walser sucht mit ihrer Schar das abgelegene Dorf Walburgsacker auf. Dort soll, den Gerüchten zufolge, das Böse sein Unwesen treiben. Dorfbewohner verstecken sich in einer Fliehburg, aber sind sie wirklich in Sicherheit dort?
Ein Fischer begegnet einer unheimlichen, aber verführerisch schönen Frau,
Nordleute überfallen einen Hof, doch eine Mutter beschützt ihr Kind bis zum Letzten.
Aber auch eine hartgesottene Söldnertruppe lernt das Grauen kennen.


Nette kleine Fantasy-Abenteuer wie sonst in Rollenspiel-Anthologien üblich sollte der Leser hier nicht erwarten, denn der Untertitel der Sammlung ist Programm. Tatsächlich bewegen sich die Geschichten nicht nur in einem düsteren Umfeld, sie spiegeln auch die entsprechende Stimmung wider, denn Überleben ist in dieser Welt nicht immer einfach. Vor allem wenn Fremde glauben, sich ohne Rücksicht auf Verluste alles nehmen zu können oder das Böse wirklich Gestalt annimmt und unter den Menschen wandelt und dann nur durch neue Grausamkeit enttarnt werden kann.

Daneben gibt es kleine zwischenmenschliche Dramen, Momente der Freude, dann wieder knallharten Horror und Okkultismus, gespickt mit den Abgründen menschlicher Leidenschaften. Dadurch bekommt man aber auch eine gute Vorstellung von der Welt, die stellenweise an die von Krieg geschüttelten Landschaften Mitteleuropas mit ihren marodierenden Landsknechthorden und den grausamen Inquisitoren im Dreißigjährigen Krieg erinnert.

Die Geschichten sind zwar kurz, strahlen aber eine intensive Atmosphäre aus. Vielleicht ist die eine oder andere Story nicht immer stilistisch perfekt, aber gerade diese Mischung zwischen Neulingen und erfahrenen Autoren bringt frischen Wind in die Sammlung.

„RHoN: Folkhorror-Anthologie“ ist eine nette Sammlung von düsteren Fantasy-Geschichten, die man auch versteht, ohne das Rollenspiel zu kennen. Tatsächlich lädt die atmosphärische Mischung eher dazu ein, die Welt genauer kennenlernen zu wollen.