Pablo Kian: Die Vögel von Isfahan (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Montag, 04. Mai 2026 17:28

Pablo Kian
Die Vögel von Isfahan
2026, Paperback, 220 Seiten, 12,99 EUR
Rezension von Christel Scheja
Pablo Kian wagt sich an einen Roman, der an großen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen teilhat und doch ganz bei den Menschen bleibt, denn er will eine ganz andere Geschichte erzählen und nicht politisch werten. „Die Vögel von Isfahan ist deshalb eine ganz besondere Liebesgeschichte.
Teheran im Jahr 1975 ist westlich geprägt. Vor allem junge Frauen wie die siebzehnjährige Shrin genießen die Freiheit, sich ungezwungen zu bewegen und ihren Träumen zu folgen. So lernt sie auch bei einem Besuch in Isfahan den spanischen Ingenieur Alejandro kennen. Blicke werden gewechselt und Geschenke ausgetauscht.
Dann aber reißt die islamische Revolution die beiden auseinander, ehe mehr zwischen ihnen werden kann. Doch die Liebe bleibt unverändert, gibt beiden die Kraft, das Kommende durchzustehen.
Erst 27 Jahre später sehen sie sich nach langen Jahren der Trennung wieder, wenn auch zu einem hohen Preis.
Die Geschichte erlaubt einen Blick in den Iran, der heute schon fast unwirklich scheint, denn kaum ein Mensch kann sich noch daran erinnern, dass auch in Teheran einmal recht westliche Strukturen herrschten, wenn natürlich auch das ganze schon damals von einem strikten Regime geführt wurde.
Shirin gehörte noch zu den jungen Frauen, die eine gewisse Freiheit erleben durften, was Kleidung und Öffentlichkeit betrifft - daher treffen sie auch die Revolution und die daraus resultierenden Veränderungen in der Gesellschaft umso härter. Und es ist bei Weitem nicht nur der Schleier.
Interessant ist die ihre Beziehung zu einem jungen Bergbauingenieur aus Spanien, eine Liebe, die eher auf Seelen-Gefährtenschaft und Vertrauen basiert als auf körperliche Leidenschaft. Und sie wird zu einem roten Faden, einem Halt in den kommenden Jahren.
Das Ganze ist liebevoll und warmherzig in Szene gesetzt. Der Autor ist nah bei den Figuren und scheint auch die Entwicklungen recht gut recherchiert zu haben - vielleicht konnte er auch auf Erfahrungen Betroffener zurückgreifen, die die entsprechenden Jahre mitgemacht haben.
Das Buch ist mit viel Leidenschaft am Thema geschrieben, Die besondere Verbindung zwischen Shirin und Alejandro steht im Mittelpunkt, so ätherisch und rein, wie sie auch oft in der persischen Lyrik besungen wurde. Und sie findet einen Abschluss, der bittersüßer nicht sein könnte, aber dem Ganzen eine besondere Note gibt. Das Seidentuch mit den Vögeln dient dabei immer als Metapher für die Wünsche und Träume, die Shirins Hoffnung nähren.
Leichte Abstriche gibt es allerdings bei der Gestaltung des Buches, die nicht jedem Leser gefallen dürfte, ebenso wie die Geschichte, die ohne größere Höhepunkte daherkommt. Aber immerhin verfällt der Autor nicht in gängige Klischees, sondern zeigt auch, warum sich die Hauptfiguren letztendlich doch mit ihrem Schicksal arrangieren konnten, vor allem Shirin. Und das hinterlässt doch einen positiven Eindruck, der am Ende sogar noch eine Weile nachzuwirken weiß.
„Die Vögel von Isfahan“ ist eine so poetische wie bittersüße Liebesgeschichte im Schatten der Islamischen Revolution, die den Iran vor allem für die Frauen vor fast fünfzig Jahren für immer veränderte. Die Geschichte mag nicht spektakulär sein, wirkt aber durch die ganz besondere Beziehung zwischen den Figuren umso mehr nach.