Jessi Cole Jackson: Ruinous Creatures - Der Kuss des Phönix (Buch)

Jessi Cole Jackson
Ruinous Creatures - Der Kuss des Phönix
(Ruinous Creatures, 2026)
Übersetzung: Regina Joos
Penhaligon, 2026, Hardcover, 464 Seiten, 25,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

In „Ruinous Creatures - Der Kuss des Phönix“ entführt Amy Goldsmith ihre Lesenden in eine Welt, in der magische Kreaturen nicht nur verehrt werden, sondern nach ihrem Tod über ihre Schädel Macht an Menschen weitergeben.

Im abgeschiedenen Tal, in dem Adela lebt, besteht ihre Aufgabe darin, diese Schädel zu pflegen und den Novizen des herrschenden religiösen Ordens zuzuweisen. Als bei einer Zeremonie sowohl Adela als auch der Novize Kian unerwartet mit zwei ausgestorbenen Phönix-Schädeln verbunden werden, entsteht zwischen ihnen eine magische Bindung, die ihr Leben unwiderruflich verändert.

Während sie versuchen, dieses unerklärliche Band zu verstehen, geraten sie mitten in politische Intrigen, uralte Geheimnisse und einen aufkommenden Widerstand gegen ein zutiefst korruptes System.


„Ruinous Creatures - Der Kuss des Phönix“ ist eine eigenständige Romantasy mit Dualem Point of View, die vor allem durch ihr originelles Magiesystem, die starke Chemie zwischen Adela und Kian sowie spannende Themen wie Machtmissbrauch, Revolution und Naturverbundenheit überzeugt. Die Geschichte verbindet dabei bekannte Tropes wie „fated mates“, „Insta-Love“ mit dem Kampf gegen ein korruptes Herrschaftssystem und frischen Ideen, insbesondere rund um die magischen Kreaturen und die Schädelmagie, deren Kräfte von Priestern genutzt werden.

Besonders gelungen ist die Gegenüberstellung der beiden Perspektiven: Adela, die abgeschirmt im magischen Tal lebt und erst nach und nach die Grausamkeit des Systems erkennt, und Kian, der als Novize längst beschlossen hat, das Regime von innen heraus zu stürzen. Durch diese beiden Blickwinkel wird die Korruption des Reiches greifbar und emotional aufgeladen. Auch die magische Verbindung zwischen den beiden durch die Phönix-Schädel sorgt für Spannung und romantische Dynamik, die ein klarer Pluspunkt ist.

Das Worldbuilding könnte faszinierend sein, wenn es denn ausgewogener und detailreicher ausgefallen wäre. Während das Tal mit seiner Kultur und Verbindung zu den magischen Wesen lebendig und detailreich ausgearbeitet ist, bleibt die Welt außerhalb - insbesondere die Stadt und die religiösen Machtstrukturen - vergleichsweise vage. Gerade weil das Magiesystem und die politischen Konflikte so viel Potenzial haben, entsteht mehrfach der Eindruck, dass ein Einzelband fast zu knapp bemessen ist. Hier wäre mehr Raum für die Geschichte und Magieentwicklung gewesen.

Auch erzählerisch gibt es kleinere Schwächen. Manche Passagen wirken sprachlich etwas holprig, gegen Mitte wiederholen sich vor allem in Kians Perspektive ähnliche innere Konflikte. Erst im Finale entwickelt sich ein hohes Tempo, das für Spannung sorgt.

Ein Wort noch zur äußeren Gestaltung: Penhaligon hat sich hier besondere Mühe gegeben. Rundumfarbschnitt, dazu ein dreidimensionales Cover, das für Aufmerksamkeit sorgt.

Alles in Allem hinterlässt „Ruinous Creatures - Der Kuss des Phönix“ unter Berücksichtigung, dass es sich um einen Erstlingswerk handelt, dennoch ein positiven Eindruck. Innerhalb eines vertrauten Romantasy-Rahmens, den sie leidlich, fast zu viel nutzt, setzt die Verfasserin eigene Akzente. Wer starke romantische Spannung, revolutionäre Intrigen, ein ungewöhnliches Magiekonzept und eine in sich abgeschlossene Fantasy sucht, wird hier fündig. Allerdings hätte diese Welt problemlos Stoff für noch mehr Geschichten geboten. Vielleicht kehrt die Autorin ja eines Tages hierhin zurück.