Horst Moser: Weil wir nichts wussten (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Samstag, 18. April 2026 08:15

Horst Moser
Weil wir nichts wussten
Edition Raetia, 2026, Hardcover, 192 Seiten, 24,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Der 1975 geborene Horst Moser lebt und arbeitet in Bruneck in Südtirol. Zudem schreibt er auch noch leidenschaftlich über Themen, die selten in der Realität angesprochen werden, aber dennoch in Romanen sehr beliebt sind - wie auch in seinem neuesten Werk: „Weil wir nichts wussten“.
Lukas ist in ganz Europa unterwegs, um von den Protestwellen gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren, nimmt sich aber die Zeit, dennoch in den kleinen Ort zurückzukehren, in dem seine Mutter lebt, denn ihr geht es nicht wirklich gut.
Während er versucht, herauszufinden was los ist, sucht Lisa nach ihren Wurzeln. Denn nun, wo sie volljährig ist, spürt sie, dass sie erst ihren Frieden findet, wenn sie weiß, wer ihre Eltern waren - denn sie ist ein Findelkind,
Wie hängen diese Geschichten zusammen? Erfahrene Leser werden schon ahnen, dass die beiden Handlungsebenen nicht für immer im Raum stehen, sondern irgendwann miteinander verbunden werden. Und dass sowohl Lukas als auch Lisa überraschende Wahrheiten über sich und ihre Familie erfahren.
Schlüssel zu allem scheint die Mutter zu sein, die durch seltsame Vorfälle in der Nachbarschaft und ihrem Haus durcheinander ist. Weil der Bruder sich keinen Rat weiß, hat er letztendlich auch nach Lukas gerufen. Und der treibt das Geschehen voran. Tatsächlich ist es dann auch ein Familiengeheimnis, das das Leben aller Beteiligten erschüttert und häufiger vorkommt, als man denkt. Denn das, was der Autor andeutet, passiert immer wieder mal und wird genau so häufig unter den Tisch gekehrt, um den guten Ruf, aber auch die Harmonie nach außen und innen, nicht zu zerstören.
Doch gelegentlich braucht es eine Person, vielleicht auch einen Anlass, die oder das das Verborgene ans Licht kommen lässt. Wie, das schildert Horst Moser hier in ruhigen Sätzen, aber auch mit einer gewissen Distanz, die leider gerade bei Lisa deutlich spürbar ist. Daher nimmt der Lesende vielleicht nicht so viel Anteil an dem Schicksal der Familie, gerade auch, weil das Ende überraschend offenbleibt.
Der Roman regt aber dennoch zum Nachdenken ein. Er zeigt eine Familie im Umbruch, eine Mutter, die nicht länger verbergen kann, was sie so lange unter den Tisch gekehrt hat, damit ihre Söhne nichts davon wissen. Das bewegt, auch wenn es vielleicht für den einen oder anderen ein wenig zu emotionslos wirkt.
„Weil wir nichts wissen“ greift ein Thema auf, das genau so in vielen Familien behandelt wird, die davon betroffen sind. Die Geschichte ist interessant aufgebaut und überrascht gelegentlich, bleibt aber doch deutlich auf Distanz zu den Figuren. Das muss man schon mögen, um dennoch mit den Charakteren zu fühlen.