Chelsea Abdullah: Der Aschefeuerkönig - The Sandsea Chronicles 2 (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Mittwoch, 15. April 2026 16:24

Chelsea Abdullah
Der Aschefeuerkönig
The Sandsea Chronicles 2
(The Ashfire King, 2025)
Übersetzung: Urban Hofstetter
Titelbild: Mike Heath
Hobbit Presse, 2026, Hardcover 640 Seiten, 26,00 EUR
Rezension von Carsten Kuhr
Willkommen zurück in einer farbenprächtigen Welt, die uns an den Orient aus Tausendundeiner Nacht erinnert.
Der Mittelband der projektierten Trilogie setzt nahtlos an die Geschehnisse des Auftakttitels an. In zwei parallel laufenden Handlungssträngen, erzählt uns Abdullah ihre Mär von Dschinn, Königen, Zauber und Verrat weiter.
Loulie al-Nazari, Prinz Mazen und der Dschinn Rijah finden sich nach den Ereignissen des ersten Bandes im versunkenen Dschinn-Reich wieder. Dieses Reich, das dereinst von einem Ifrit, den mächtigsten der Dschin, unter dem Sand verborgen und in vermeintliche Sicherheit gebracht wurde, steht kurz vor dem endgültigen Kollaps.
Städte zerfallen, magische Schutzmechanismen versagen und rivalisierende Fraktionen ringen um Macht. Während sie noch versuchen, einen Weg zurück in ihre eigene Welt zu finden, geraten Loulie und Mazen immer tiefer in einen uralten Konflikt zwischen verschiedenen Dschinn-Gruppen.
Dabei werden sie erpresst, alte Rätsel und Sagen umwogene Zauber-Utensilien zu suchen, um so das Reich entweder zu retten oder seinen Untergang zu beschleunigen.
Loulie, die mit der Magie eines gefallenen Königs verbunden ist, sieht sich zunehmend mit der Frage konfrontiert, ob sie dieses Erbe annimmt oder sich davon löst. Mazen wiederum entwickelt sich vom zögerlichen Prinzen zu einer aktiveren Figur, die Verantwortung übernimmt und beginnt, seine eigene Rolle innerhalb dieses Konflikts zu definieren.
Parallel dazu spielt sich an der Oberfläche ein zweiter zentraler Handlungsbogen ab: Aisha kämpft mit den Folgen ihrer geistigen Verbindung zu einer mächtigen Dschinn, die ihr Überleben sichert, zugleich aber ihre Selbstbestimmtheit bedroht. Gemeinsam mit Mazens Bruder Hakim versucht sie, den tyrannischen Sultan Omar zu bekämpfen, der nicht nur politisch, sondern auch persönlich eine Bedrohung darstellt.
Ein zentrales Ziel dieses Handlungsstrangs ist die Befreiung von Qadir, der gefangengehalten wird und als Schlüsselfigur für das Gleichgewicht zwischen den Welten gilt.
Im Verlauf des Romans bewegen sich beide Erzählstränge aufeinander zu: Die Ereignisse im Dschinn-Reich und die politischen Entwicklungen in der Oberwelt sind enger miteinander verknüpft, als es zunächst scheint. Alte Bündnisse werden reaktiviert, Verrat und Loyalität verschieben sich und mehrere Figuren müssen Entscheidungen treffen, die nicht nur ihr eigenes Schicksal, sondern das Gleichgewicht zwischen beiden Welten bestimmen.
Während Loulie und Mazen lange Zeit zwischen impulsiven Entscheidungen und von außen auf sie einwirkender Getriebenheit pendeln, gewinnt insbesondere die Figur der Aisha an Kontur. Ihr innerer Konflikt - das symbiotische, zugleich bedrohliche Verhältnis zu einer fremden magischen Präsenz - verleiht dem Roman psychologische Tiefe, die den übrigen Figuren gelegentlich abgeht.
Dass zentrale Figuren wie Qadir über weite Strecken abwesend bleiben, schwächt hingegen die Erzählung und lässt die im ersten Band etablierte Dynamik einer „familiären Freundschaft“ vermissen.
Gleichzeitig durchziehen kürzere, eingeschobene Geschichten den Text - eine erzählerische Technik, die an „Tausendundeine Nacht“ erinnert. Diese Episoden liefern Hintergrundwissen, vertiefen Mythen und spiegeln thematisch die Haupthandlung, insbesondere die Frage nach der Macht von Geschichten und Identitäten. Hier blitzt jene erzählerische Leichtigkeit auf, die bereits den Vorgänger ausgezeichnet hat.
Demgegenüber steht dann jedoch ein strukturelles Problem, das sich durch weite Teile des Romans zieht: das auffällig ungleichmäßiges Erzähltempo. Über lange Strecken verharrt die Handlung in einer Art Stillstand. Ortswechsel, Begegnungen, selbst Konflikte bringen den Plot kaum voran. Erst im letzten Drittel verdichten sich die Stränge, gewinnen an Dringlichkeit und münden in ein befriedigendes Finale.
Am Ende kulminieren die Handlungsstränge in einer Reihe von Konfrontationen, die jedoch weniger als Abschluss, denn als Vorbereitung für den finalen Band fungieren: Das Schicksal des Dschinn-Reiches bleibt prekär, die politischen Machtverhältnisse sind weiterhin instabil, und mehrere zentrale Konflikte werden bewusst offengehalten. Der Roman endet somit, wie wir dies von Mittelbänden kennen, ohne endgültige Auflösung.