Gruselkabinett 197: Das Grauen von Dunwich, Howard Phillips Lovecraft (Hörspiel)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Samstag, 04. April 2026 09:44

Gruselkabinett 197
Das Grauen von Dunwich
Howard Phillips Lovecraft & Marc Gruppe (Script)
Sprecher: Thomas Balou Martin, Bert Stevens, Axel Lutter u.a.
Titelbild: Bastien Ephonsus
Titania Medien, 2026, 1 CD, ca. 90 Minuten, ca. 8,99 EUR
Rezension von Christel Scheja
Zu den bekannteren und bereits mehrfach adaptierten Geschichten von H. P. Lovecraft gehört „Das Grauen von Dunwich“, eine Geschichte, in der er viele Elemente des Cthulhu-Mythos unterbringt, ohne die Leser damit zu überfordern. Auch in der „Gruselkabinett“-Reihe erscheint nun eine interessante Umsetzung.
Dunwich ist ein verschlafenes Nest irgendwo im hintersten Winkel von Massachusetts, von dem die wenigsten gehört haben. Anfang des 20. Jahrhunderts lebt dort die Familie Whatley, die auch von den Einheimischen gemieden wird - noch mehr, als Tochter Lavinia das Kind eines Unbekannten zur Welt bringt.
Wilbur ist von Anfang an seltsam, wächst schneller heran als es normal ist, und entwickelt eine erschreckende Intelligenz. Vor allem scheint er für das Verschwinden seiner Mutter und seltsame Bautätigkeiten rund um das Haus seiner Familie verantwortlich zu sein. Und das ist nur der Anfang düsterer Entwicklungen, die das Grauen zu wecken scheinen.
Während andere Adaptionen mehr auf die Action und den Horror setzen, nimmt sich Marc Gruppe ebenso wie H. P. Lovecraft mehr Zeit, die Geschichte zu entwickeln. Dabei ist keine Beschreibung der Landschaft und dem Verhalten der Whatleys sinnlos, alles beinhaltet die wichtigen Hinweise, die letztendlich dazu führen, dass sich das Grauen nachhaltig entfaltet. Denn immerhin scheint die Familie mehr zu wissen als andere Menschen und mit dem Bösen im Bunde zu sein. Die Spannung zieht deshalb an, als Wissenschaftler von der Miskatonic University in Arkham mehr herauszufinden versuchen. Doch auch da dominiert die akribische und detailverliebte Beschreibung.
Das Hörspiel reizt fast neunzig Minuten aus, um der Vorlage gerecht zu werden, denn wie bei Lovecraft üblich, hat er nicht das Ansinnen, platten Horror mit Action zu präsentieren, sondern das Grauen nach und nach einzubringen und in den Köpfen der Menschen zu erwecken. Und das gelingt wunderbar.
Die Sprecher haben ebenfalls ihren Spaß, gerade die der Dorfbewohner können ihre Wandlungsfähigkeit zeigen, wissen Spott und Häme genauso zu zeigen wie Todesangst. Und auch die Hauptfiguren kommen sehr vorstellbar daher, so dass man das Kino im Kopf anwerfen kann.
„Das Grauen von Dunwich“ mag zwar, wie alle Texte von Lovecraft, seine Zeit brauchen, um in die Gänge zu kommen, aber genau das ist der besondere Zauber an seinen Geschichten, die auch in dieser adäquaten Hörspiel-Adaption zum Tragen kommt und durch ausgezeichnete Sprecher zu überzeugen weiß.