Oliver Darkshire: Spiel mir das Lied vom Goblin (Buch)

Oliver Darkshire
Spiel mir das Lied vom Goblin
(Isabella Nagg and the Pot of Basil, 2025)
Übersetzung: Marianne Schmidt
Penhaligon, 2026, Paperback, 320 Seiten, 17,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Farmer Nagg führt ein unerquicklich tristes Leben, geprägt von Kränkungen und lähmender Langeweile. Seit seiner Heirat mit Isballa ist selbst der alljährliche Goblinmarkt Geschichte. Neben etwas kümmerlicher Landwirtschaft und einer eher symbolischen Viehzucht - ein einzelner Esel, mehr ist da nicht - sorgt vor allem der Handel mit Alrauneblättern für ein bescheidenes Einkommen. Der örtliche Magier ist ein verlässlicher Abnehmer.

Als Nagg eines Tages seine Jahreslieferung im Haus des Zauberers abgeben will, trifft er diesen jedoch nicht an. Statt der ersehnten Münzen droht ihm also der Heimweg mit leeren Händen.

Doch Nagg wäre nicht Nagg, würde er sich damit abfinden. Kurzerhand steckt er einen Band aus dem Haushaltsgrimoire des Magiers ein - jener gewichtigen Sammlung arkaner Formeln und Zaubersprüche.

Wieder daheim erwartet ihn einmal mehr die streitlustige Gattin. Nagg ergreift die Flucht in Richtung Straßengraben und lässt das Buch zurück.

Und hier beginnt die eigentliche Geschichte interessant zu werden. Isabella beschließt, die gefundene Magie kurzerhand praktisch zu erproben. Ihr Ziel ist denkbar schlicht: Sie möchte ihrem notorisch ausbüxenden Esel endlich einmal gehörig die Meinung sagen. Nur, dazu müsste das Tier sprechen können.

Also setzt sie einen magischen Tee an, der nicht nur dem Esel, sondern auch ihrer einzigen Mitgift - einem Basilikumstrauch - die Gabe der Sprache verleiht. Von diesem Moment an nimmt die Handlung Fahrt auf. Isballa wächst unerwartet in die Rolle der Zauberin hinein und sieht sich schon bald mit aufständischen Goblins konfrontiert…


Oliver Darkshire legt mit diesem Roman eine kurzweilige, leichtfüßige Lektüre vor. Die zahlreichen Fußnoten erinnern unweigerlich an die Scheibenwelt-Romane von Terry Pratchett, ohne jedoch deren erzählerische Tiefe oder feinsinnigen Humor zu erreichen.

Statt subtiler Ironie setzt Darkshire eher auf eine derbe, bisweilen bewusst grobschlächtige Welt, Situationskomik nahe am Klamauk und überraschende Wendungen.

Das liest sich aber überraschend flott und unterhaltsam. Im Zentrum steht das unerquicklich vertraute Bild eines zerstrittenen Ehepaars, dessen Spannungen sich mit den äußeren Turbulenzen - insbesondere den Goblin-Unruhen - verschränken und den Plot tragen.

„Spiel mir das Lied vom Goblin“ ist kein großer Wurf, aber eine vergnügliche Lektüre für Zwischendurch, die ihre Leserinnen und Leser solide bei Laune hält.