Emily Bähr: Gilded Ruin - Gods of New Olympus 1 (Buch)

Emily Bähr
Gilded Ruin
Gods of New Olympus 1
Heyne, 2026, Paperback, 526 Seiten, 17,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Die griechischen Götter sind nicht mehr unerreichbar fern über den Wolken auf dem Olymp ansässig. Sie haben sich die Moderne zunutze gemacht und residieren für alle Menschen erreichbar auf einer Insel, die sie New Olympus genannt haben und erlauben einen Blick auf ihren Luxus und gelegentlich auch Teilhabe. Das ist der Ausgangspunkt von „Gilded Ruin“, dem ersten Band der „Gods of New Olympus“-Reihe.

 

Briar gehört zu den weniger begünstigten Menschen auf der Insel, die tagtäglich um ihr Überleben kämpfen und schon ihre ganze Familie verloren hat. Deshalb will sie nur eines: die Götter entmachten, die sich alles erlauben, vor allem Zeus, Hades und Poseidon. Denn die erlauben sich alles - auch über das Leben der Sterblichen zu entscheiden.

Sie muss sich allerdings den Platz in der High Society, die allein die Chance hat, mit den Göttern zu feiern, erst erkämpfen. Kaum ist ihr das gelungen, zieht sie alle Aufmerksamkeit auf sich, vor allem die von Phobos, dem Gott der Angst, der sie von nun an sehr genau im Auge behält, denn er ahnt, dass sie etwas im Schilde führt.


Superreiche, die in Saus und Braus leben, Mafia-Bosse, die ihre Macht durch Gewalt und miese Tricks sichern, die enthemmte Society, die sich alles erlauben kann, selbst wenn es gegen das Gesetz ist. Man muss nicht weit suchen, um die Vorbilder für das Szenario zu suchen, das Emily Bähr hier für ihre Geschichte nutzt. Denn es gibt genügend reale Orte, die als Vorbild für die schillernde Welt dienen, die hier nur ein wenig mit Magie und Göttlichkeit aufgepeppt wird.

Briar ist eine typische Protagonistin, abgebrüht und hart, immerhin mit der Ausbildung zur Polizistin und anderen Fähigkeiten ausgestattet, die es ihr möglich machen, sich nicht nur in die Welt der Götter einzuschleichen, sondern auch Ermittlungen zu beginnen. Allerdings bleibt sie nicht lange damit allein, denn sie hat schon bald einen Aufpasser, der ihr zunächst misstraut, dann aber doch auch von ihr fasziniert ist, was natürlich die leidenschaftliche Liebesgeschichte in Gang bringt.

Die Autorin vermischt munter sämtliche Klischees, die man in Bezug auf Mafia-Romanzen und Urban Fantasy finden kann und modernisiert die mythischen Gestalten. Allerdings sollte man nicht viel Tiefgang erwarten, denn die Geschichte setzt auf die Beziehungen, auch wenn sich intime Szenen etwas zurückhalten. Die Handlung selbst ist überschaubar, aber unterhaltsam zu lesen und hat keine besonderen Längen. Die Fantasy-Elemente sind in erster Linie Staffage, um dem ganzen Setting einen exotischen Anstrich zu geben.

„Gilded Ruin“ entspricht damit voll und ganz dem, was man heute als Romantasy betrachtet: eine Liebesgeschichte voller knisternder Leidenschaft und heißen Protagonisten, die mit einer überschaubaren Handlung auch einen guten Schuss an Action wie aus einem Romantik-Thriller bietet, aber nicht wirklich Eindruck hinterlässt, vor allem nicht bei Genre-Fans, da die phantastischen Elemente trotz einiger witziger Ideen eher aufgesetzt wirken.