Shiori Ota: Das kleine Café der zweiten Chancen (Buch)

Shiori Ota
Das kleine Café der zweiten Chancen
(Majo no iru kafeten to 4 pun 33 byō no timetravel, 2023)
Übersetzung: Anemone Bauer
Droemer, 2024, Paperback, 240 Seiten, 12,99 EUR

Rezension von Gunther Barnewald

Die japanische Autorin Shiori Ota erzählt die zauberhafte Geschichte der jungen Schülerin Himari Misaki, die ein ganz besonderes Café in ihrer Heimatstadt Sapporo entdeckt. Das „Tacet Yuguredo“ liegt am Moerenuma-Park und wird von Frau Hayari und Herr Higure geführt.

Die beiden haben die Fähigkeit, Menschen für 4 Minuten und 33 Sekunden (so lange dauert das Aufbrühen des Kaffees, aber auch ein bekanntes Musikstück) in die Vergangenheit zu schicken, so dass diese eine ihrer Entscheidungen aus der Vergangenheit korrigieren können.

Himari merkt dies, als eine ältere Frau namens Sugiura einfach verschwindet. Himari hatte die zugewandte ältere Frau auf ihrem Schulweg kennengelernt, da diese sich immer so nett um die vorbeieilenden Schüler gekümmert hatte. Doch eines Tages ist nicht nur Frau Sugiura verschwunden, sondern auch ihr kleines Häuschen. Dort befindet sich nun ein Parkplatz und niemand erinnert sich mehr an die alte Frau, außer einer älteren Nachbarin, die aber erzählt, Frau Sugiura sei vor vielen Jahren mit ihrer Tochter nach Thailand gezogen.

Von den beiden Café-Betreibern erfährt Himari, dass Frau Sugiura, durch die Reise in die Vergangenheit, diese verändert habe. Anstatt ihre Tochter dem üblen örtlichen Mobbing in der Schule auszusetzen, was diese in den Selbstmord getrieben hatte, war die Frau stattdessen mit ihr nach Thailand gezogen, hatte ihr Haus verkauft, dort ein glückliches neues Leben mit dem Kind begonnen.

Himari erlebt selbst eine solche Zeitreise mit, in der ein Witwer seiner verstorbenen Frau vor deren Tod noch einmal einen tollen Blumenstrauß schenkt.

Nur Himari selbst kann nicht ihre Vergangenheit ändern, gehört sie doch selbst zu den sogenannten Zeitwächtern und kann nur andere begleiten.

Dann passiert ein großes Unglück, denn Himaris neue und bald beste Schulfreundin Tsukko wird, beim Warten auf Himari, auf dem Bordstein totgefahren. Der Autofahrer hatte einen tödlichen, körperlichen Anfall, starb im fahrenden Auto und war in eine wartende Fußgängermenge gerast.

Nun ist guter Rat teuer, denn obwohl Himari nichts dafür kann, ist Tsukkos Familie sauer auf sie. Zudem kann sie selbst nicht allein ein die Vergangenheit reisen, sondern braucht jemanden, der Tsukko retten will, auch auf die Gefahr hin, dabei die Freundschaft für immer auszulöschen beim Verändern der Vergangenheit...


Ota gelingt nicht nur eine wunderbar atmosphärische Geschichte, die Erzählung ist auch voller Tragik und Traurigkeit, wobei man als Leser aber immer das Gefühl hat, die Rettung wartet schon um die Ecke.

Nur Himaris eigene betrübliche Vergangenheit (galt sie einst als Klavierwunderkind, hielt jedoch dem psychischen Druck nicht stand und verletzte sich selbst bei einem „Fluchtversuch“ vor der Überlastung einer großen Karriere so schwer an den Händen, dass ihre Laufbahn für immer zerstört scheint) lässt sich wohl nicht ändern.

Eine schön sentimentale Geschichte, die nie zu kitschig wirkt, jedoch eine große Portion heile Welt beinhaltet, ohne allzu trivial zu sein. Für alle Menschen, die einmal von den Grausamkeiten der täglichen Nachrichten abschalten wollen, die wahrlich ideale Lektüre!