Marjorie Bowen: Die unruhigen Toten - Geschichten des Zwielichts (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 05. Februar 2026 11:48

Marjorie Bowen
Die unruhigen Toten - Geschichten des Zwielichts
Übersetzung: Andreas Fliedner
Titelbild: Peter Paul Rubens
Festa, 2026, Hardcover, 510 Seiten, 36,99 EUR
Rezension von Carsten Kuhr
Der zehnte Band der Festa-„Weird Fiction“-Edition stellt uns eine neue Verfasserin vor. Wie der viel zu früh verstorbene Herausgeber und Übersetzer der Edition, Andreas Fliedner uns in seinem wie immer informativen und interessante Nachwort berichtet, verfasste die Autorin ihre besonderen Geister-Geschichten in erster Linie, um ihrer tristen Welt zu entfliehen. Nur dank ihrer Veröffentlichungen konnten ihre jeweiligen Familien wirtschaftlich überleben, erfreuten sich ihre Erzählungen doch durchweg einer großen Beliebtheit beim lesenden Publikum.
Auffällig war für mich bei der Auswahl dieses Bandes, dass die Verfasserin oftmals Geister-Erscheinungen in den Mittelpunkt ihrer Texte gestellt hat. Diese sind üblicherweise im England der 1930er Jahre angesiedelt.
Daneben zeichnen sich die Geschichten durch eine dichte, atmosphärische Erzählweise aus. In ihren Texten verbindet Bowen gut recherchierte historische Settings mit psychologischer Spannung, moralischer Ambivalenz und Elemente des Unheimlichen. Dabei sind ihre Figuren selten eindeutig gut oder böse, vielmehr bewegen sie sich in Grenzbereichen von Macht, Schuld, Leidenschaft und Verfall.
Charakteristisch für Bowen ist dabei ihre klare, elegante Sprache, die weniger auf äußere Dramatik als auf innere Konflikte und schleichende Bedrohung setzt.
So ist dies eine durchaus interessante Entdeckung einer Verfasserin, die uns mit übernatürlichen Erscheinungen unterhält und bei deren Lektüre es uns einen wohligen Schauer über den Rücken laufen lässt.