Ursula Poznanski: Das Signal (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Montag, 02. Februar 2026 09:01

Ursula Poznanski
Das Signal
Knaur, 2026, Hardcover, 398 Seiten, 24,00 EUR
Rezension von Gunther Barnewald
Viola Decker und ihr Mann Adam haben ein altes Haus im Grünen gekauft und wollen dort so einiges renovieren lassen und auch anbauen. Vor allem der morsche, einsturzgefährdete Weinkeller muss unbedingt abgestützt und saniert werden. Doch vor der Sanierung geschieht das Unfassbare: Der Keller stürzt ein und begräbt Viola teilweise unter sich. Fast gelingt es Viola noch zu entkommen, aber ihr linkes Bein wird leider eingeklemmt und zerquetscht.
Als Viola in der Klinik erwacht (womit das Buch beginnt), hat man ihr das Bein amputieren müssen und sie erinnert sich leider gar nicht mehr daran, was vor dem Unfall geschehen ist.
Nach dem Schock berappelt sich die junge Frau jedoch relativ schnell wieder. Ihr Mann hat eine rumänischstämmige Pflegekraft namens Otilia angeworben, die auf Viola jedoch einen sehr abweisenden, mürrischen und feindseligen Eindruck macht. Und da auch ihr Mann und eine gute Freundin sich ihr gegenüber sehr merkwürdig verhalten, beschließt Viola, allen einen der im Internet bestellten Tracker unterzujubeln, mit dem sie jeweils feststellen kann, wo die Person sich gerade aufhält.
Sehr schnell entdeckt sie, dass vor allem Adam oft gar nicht dort ist, wo er ihr gegenüber behauptet zu sein (aber auch die anderen sind hier nicht sehr zuverlässig).
Da Viola viel vermögender ist als ihr Mann, wird sie bald sehr misstrauisch, während sie andererseits versucht, sich ins Leben zurückzukämpfen. Dabei ist vor allem Otilia gar nicht hilfreich, bewacht und hemmt sie Viola wohl überall dort, wo sie nur kann.
Doch auch Viola scheint ein dunkles Geheimnis zu haben und so nach und nach erfahren die Lesenden, was sowohl Viola verbirgt als auch deren Freundinnen oder ihr Mann. Ebenso hat Otilia ihre Geheimnisse und dann gibt es da noch die Familie Dornkamp, die ebenfalls noch ein Hühnchen mit Viola zu rupfen hat, auch wenn Vater Dornkamp gestorben zu sein scheint und die junge Frau scheinbar immer nur auf den einen der beiden Brüder trifft. Wo mag bloß der andere abgeblieben sein...?
Und wenn es nicht die netten Nachbarn und deren lieben Sohn, der leider intellektuell leicht gehandicapt ist, gäbe, dann hätte man Viola nach dem Einsturz des Weinkellers gar nicht so schnell gefunden und auch später erweist sich der junge Mann als sehr hilfreich für die Protagonistin.
Erneut und wie so oft gelingt der Autorin ein extrem spannendes Buch mit einem cleveren Plot.
Die Geschichte nimmt viele unerwartete Wendungen und vor allem ist erfreulich, dass auch Viola „Dreck am Stecken hat“ (und dies nicht zu knapp!). Generell wimmelt das Buch von sehr ambivalenten Charakteren, was die Geschichte aber nur umso spannender macht.
Besonders gut gelingen der Autorin in der vorliegenden Geschichte genau diese Charaktere, und zwar nicht nur Viola und Adam, sondern auch die beiden Freundinnen Violas, der junge Nachbar, die Pflegekraft und, wenn auch nur durch Violas Erinnerungen, der fiese alte Dornkamp (wenn auch dieser nicht allzu klischeefrei erscheint).
Durch die vielen Rätsel und Geheimnisse gelingt es der Autorin, den Spannungsbogen recht konstant oben zu halten, zumal die Erzählung mit „nur“ 400 Seiten (für heutige Verhältnisse!) recht knapp und dafür aber sehr knackig ausfällt.
Wer viel Handlung, einen cleveren Plot mit vielen Wendungen, gute Atmosphäre, glaubhafte Protagonisten und einen straffen, recht durchgängigen Spannungsbogen mag, der kommt beim vorliegenden Buch voll auf seine Kosten.
„Das Signal“ ist eine Geschichte, die man wirklich erst dann aus der Hand legen mag, wenn man auch die allerletzte Seite verschlungen hat. Einziges kleines Manko hier: Es gibt noch eindeutig einfallsreichere und kreativere Romane von Ursula Poznanski, die inhaltlich deutlich phantasievoller und geistreicher sind (und dies sind vor allem ihre Jugendbücher wie zum Beispiel „Cryptos“, „Layers“, „Erebos“ oder „Aquila“).
Man könnte also sagen: Für einen Thriller ein tolles Buch, für ein Buch von Ursula Poznanski aber leider nur maximal oberes Mittelfeld! Arbeitet man mit einer Höchstwertung von 5 Sternen, erhält dieses Buch gute und völlig gerechtfertigte 4 davon! Einen Kauf also allemal wert!