Matthew Blake: Sophie L. (Buch)
- Details
- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 29. Januar 2026 07:26

Matthew Blake
Sophie L.
(Sophie L., 2025)
Übersetzung: Andrea Fischer
Scherz, 2025, Paperback, 384 Seiten, 18,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Der britische Autor Matthew Blake überzeigte mit seinem Thriller „Anna O.“ Leser weltweit und scheint deshalb auf dem Weg bleiben zu wollen, den er damit eingeschlagen hat. Denn auch sein neuester Roman „Sophie L.“ bewegt sich im Bereich des psychologisch fundierten Thrillers.
Olivia Finn, Gedächtnisspezialistin aus London, fällt aus allen Wolken, als sie nach Paris gebeten wird. Denn ihre über neunzig Jahre alte Großmutter Josephine ist im berühmten Hotel Lutetia aufgetaucht und hat dort gegenüber der Polizei ein umfassendes Geständnis abgelegt. Doch ist sie wirklich eine Mörderin?
Die Psychologin hegt ihre Zweifel und kümmert sich um ihre Oma, die nach und nach wieder klarer im Kopf wird. Doch ehe sie Näheres sagen kann, wird sie überraschend ermordet. Dadurch ist aber auch klar, dass jemand anderes von allem weiß und nicht möchte, dass die Wahrheit ans Licht kommt.
Mit dem Plot greift Blake ein Thema auf, das nach dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich ab und zu einmal Realität gewesen sein könnte, denn natürlich haben damals Menschen Gründe gehabt, eine andere Identität anzunehmen, gerade wenn sie mit den Besatzern kollaboriert haben. Die Leser dürfen daher mehr erfahren und wissen daher mehr als die handelnden Figuren. Aber natürlich wird die Handlung nicht ganz so geradlinig erzählt, wie man sich denken kann, denn auch Olivia hat ihre Geheimnisse und Traumata, genauso wie eine Figur, deren Identität erst später offenbart wird. Das hat durchaus Potential.
Verschiedene Handlungsstränge verweben sich nach und nach zu einem dichten Hintergrund, dennoch kommt die Wahrheit erst am Ende ans Licht. Das sorgt dafür, dass die Geschichte in einem gewissen Grad spannend bleibt, auch wenn der Mittelteil leider deutlich durchhängt und die Figuren nicht wirklich in ihren Ermittlungen vorankommen, sondern eher persönliche Befindlichkeiten und Probleme in den Mittelpunkt rücken.
Gerade der Blick in Olivias Vergangenheit scheint zunächst recht sinnfrei zu sein, fügt sich aber immerhin sauber am Ende in das Gesamtbild ein. Die Figuren sind ein weiteres Problem, denn sie erhalten zwar ein wenig Profil, aber leider auch nicht mehr, denn der Autor wahrt leider zu viel Distanz zum Leser, so dass sich keine Bindung entwickeln kann.
Alles in allem bleibt so ein recht zwiespältiger Eindruck, denn auf der einen Seite sind die Ideen recht interessant, auch die Nachkriegsvergangenheit wird lebendig geschildert, der Gegenwart fehlt es leider an Tiefe, auch wenn die Handlungsebenen sauber zusammengeführt werden.
„Sophie L.“ punktet mit einer interessanten Idee und einem spannenden Blick in der Vergangenheit, die Handlung in der Gegenwart hat wie die Figuren leider auch ein paar unübersehbare Schwächen. Alles in allem kommt der Roman so nicht auf ein solides Mittelmaß hinaus.