Kali Wallace: Dead Space (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Montag, 19. Januar 2026 08:17

Kali Wallace
Dead Space
(Dead Space, 2021)
Übersetzung: Bernhard Kempen
Heyne, 2026, Paperback, 382 Seiten, 16,00 EUR
Rezension von Gunther Barnewald
Die US-amerikanische SF-Autorin Kali Wallace erinnert bezüglich ihres Sujets (Space-SF mit stark düsterem Einschlag) im vorliegenden Buch sehr an ihre Kollegin S. A. Barnes, ist jedoch nicht ganz so negativ menschlichem Tun und Trachten gegenüber eingestellt und nihilistisch wie diese.
Erzählt wird die Geschichte der jungen Wissenschaftlerin Hester Marley, die eigentlich eine KI für einen Außeneinsatz auf dem Saturnmond Titan hatte designen sollen und mit ihren Kollegen in einem Raumschiff dorthin auf dem Weg gewesen war. Doch die Mission wird angeblich von Terroristen sabotiert, das Raumschiff gesprengt, fast alle Besatzungsmitglieder sterben.
Eine Rettungsmission der Firma Parthenope sammelt die wenigen Überlebenden ein und rettet deren Leben. Kostspielige körperliche Operationen (z. B. Einbau mechanischer Prothesen) führen jedoch dazu, dass die wenigen Geretteten für Parthenope arbeiten müssen, bis ihre Operationskosten abgegolten sind.
So verdingt sich Hester als Security-Mitarbeiterin, bis sie eines Tages eine Funkbotschaft ihres ehemaligen Missionskollegen David Prussenko erhält, der ihr eine kryptische Botschaft zukommen lässt.
Doch schon kurze Zeit später wird David brutal ermordet und Hester lässt sich für die Ermittlungen einteilen.
Dazu reist sie auf den Asteroiden Nimue, wo David arbeitete. Hier baut Parthenope angeblich Erze ab und betreibt Forschungen.
Doch bei ihren Ermittlungen stößt sie auf immer mehr Rätsel und Geheimnisse, bis sich schließlich ein erschreckendes Bild abzuzeichnen beginnt, welches alles infragestellt, was Hester bisher über den Anschlag auf ihre ursprüngliche Mission, ihre Rettung und ihren neuen Arbeitgeber zu wissen glaubte...
Der Autorin gelingt nicht nur eine äußerst spannende Geschichte, deren kriminalistische Handlung aller Ehren wert ist, sie erschafft auch noch eine glaubhaft düstere Atmosphäre, die von clever erdachten und beschriebenen Charakteren bevölkert wird. Vor allem der hohe Spannungsgehalt, der sich dadurch ergibt, dass Hester (und damit alle Lesenden) immer mehr über die verdeckten Operationen von Parthenope und die Gegebenheiten des angeblichen Bergbauasteroiden erfährt (erfahren), machen das Buch zu einem packenden Schmöker, den man erst wieder aus der Hand legen möchte, wenn man alle Geheimnisse kennt.
Wohltuend ist dabei, dass die Autorin nicht komplett negativ dem menschlichen Wesen und Erfindungsgeist gegenüber eingestellt ist, und es neben feindseligen, destruktiven Charakteren auch nette und hilfreiche Menschen gibt. Die einen von den anderen zu unterscheiden, ist jedoch anfangs für die arme Hester erst einmal unmöglich, erst mit Voranschreiten der Handlung sieht sie (und alle Rezipienten) dann klarer.
Auch das Thema KI wird nicht grundsätzlich negativ und nur angstbesetzt abgehandelt. Deshalb macht es großen Spaß, Hesters Ermittlungen zu folgen und sie schlussendlich bei ihrem Kampf um Gerechtigkeit zu begleiten.
Wer leicht düstere Space-Krimis mit cleverer Story mag, der sollte an diesem Roman keinesfalls vorbeigehen. Wer die Geschichten von S. A. Barnes mag, für den ist das vorliegende Buch von Kali Wallace sowieso eine sichere Bank.