Margaret Weis & Tracy Hickman: Die Chronik der Drachenlanze (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 15. Januar 2026 11:55

Margaret Weis & Tracy Hickman
Die Chronik der Drachenlanze
Drei Romane in einem Band: Drachen des Zwielichts, Drachen der Nacht & Drachen der Dämmerung
(The Chronicles of the Dragonlance: Dragons of Autumn Twilight (1984), The Chronicles of the Dragonlance: Dragons of Winter Night (1985) & The Chronicles of the Dragonlance: Dragons of Spring Dawning, 1985))
Übersetzung: Marita Böhm
Penhaligon, 2025, Hardcover, 1280 Seiten, 39,00 EUR
Rezension von Carsten Kuhr
Es ist lange her, dass High Fantasy - im Fahrwasser von Tolkiens „Der Herr der Ringe“ - die deutschen Buchhandlungen eroberte. Unter dem damals noch einheitlichen Verlagsnamen Goldmann entstand eine eigene Fantasy-Reihe, die über Jahre zuverlässig Leser und Umsätze generierte. Namen wie Raymond Feist („Midkemia“), Patricia McKillip („Erdzauber“) oder Terry Brooks („Shannara“) standen für phantastische Abenteuer mit epischer Breite. In diese Riege stieß ein Autorenduo vor, das den kommerziellen Nerv der Zeit besonders treffsicher traf - Margaret Weis und Tracy Hickman.
Mit ihren „Dragonlance“-Zyklen übertrugen sie die Dramaturgie einer Pen-and-Paper-Kampagne nahezu unverblümt in Romanform. Die Nähe zu Tolkien war unübersehbar - und wurde dennoch begeistert aufgenommen. Auch von mir, wie ich gerne zugebe.
Fast vier Jahrzehnte später ist das Franchise wieder präsent. 2024 veröffentlichte Penhaligon eine neue Trilogie unter dem Titel „Das Schicksal der Drachenlanze“. Nun erschien pünktlich zum Weihnachtsgeschäft, dem amerikanischen Vorbild folgend, eine Prachtausgabe der ursprünglichen „Chroniken von Dragonlanze“. Und diese Neuauflage ist, das lässt sich ohne Einschränkung sagen, ein Schmuckstück! Ein großformatiges Hardcover mit üppiger Goldprägung, ergänzt um eine farbige Karte im Vor- und Nachsatz. So viel Liebe zum Buch als Objekt, sieht man heute leider selten.
Die Geschichte selbst ist bekannt. Vor Jahrhunderten haben die Götter die Welt Krynn verlassen. Zurück bleiben Menschen, Elfen, Zwerge und andere Völker, die sich mühsam durch eine feindliche Welt schlagen - bedrängt von Drachen und ihren drakonischen Heerscharen. Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe stellt sich dem drohenden Untergang entgegen: Tanis, der zerrissene Halbelf, Sturm, der ehrenhafte Ritter, die gegensätzlichen Brüder Caramon und Raistlin, die beherzte Tika und der unberechenbare Kender Tolpan Barfuß. Klassischer kann High Fantasy kaum aufgestellt sein.
Man spürt auf jeder Seite die Herkunft aus dem Rollenspiel. Figuren sind klar konturiert, Konflikte eindeutig, moralische Grauzonen selten. Das erleichtert die Identifikation. Jede Leserin, jeder Leser findet rasch eine Figur, an deren Seite man das Abenteuer bestreiten möchte. Die Romane richten sich erkennbar an ein junges Publikum - das Tempo ist hoch, die Gefahren zahlreich, Pathos und Heldenmut gehören zum festen Inventar.
Aus heutiger Perspektive wirkt Manches schlicht, insbesondere das deutliche Ungleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Figuren ist ein Produkt seiner Zeit. Doch gerade darin liegt auch der dokumentarische Reiz dieser Bücher. Sie sind Momentaufnahmen einer Fantasy-Ära, in der Eskapismus wichtiger war als Tiefe oder Rollen-Klischees.
Für Leserinnen und Leser, die die Romane einst verschlungen haben, ist diese Ausgabe eine Einladung zur nostalgischen Rückkehr. Neuleser wiederum erhalten drei Romane voller geradlinig erzählter, epischer Abenteuer ohne großen Tiefgang, aber mit hohem Unterhaltungswert. Dass all dies in einer derart hochwertigen Ausstattung präsentiert wird, adelt das Wiederlesen - und macht diese Neuausgabe zu weit mehr als bloßem Fan-Service.
Im anglo-amerikanischen Sprachraum ist für Februar 2026 eine entsprechende Ausgabe der „Dragonlance Legends“ angekündigt - hoffen wir, dass Penhaligon eine entsprechende deutschsprachige Ausgabe realisieren kann.