Shalini Abeysekara: This Monster of Mine (Buch)

Shalini Abeysekara
This Monster of Mine
This Monster of Mine 1
(This Monster of Mine, 2025)
Übersetzung: Michaela Link
Piper, 2026, Paperback, 480 Seiten, 18,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Eine junge Frau, der als Kind Übles angetan wurde, sinnt auf Rache und Gerechtigkeit. Das ist ein Thema, das man in vielen Geschichten als Triebfeder für die Motivation der Hauptfigur kennt und auch hier gut wieder zu finden ist. Auch wenn die Autorin mit ihrer Dilogie „This Monster of Mine“ anderes im Sinn hat. Der gleichnamige erste Band ist gerade erschienen.

 

Sarai überlebte mit vierzehn Jahren nur knapp ein Attentat. Seither arbeitet sie daran, den Schuldigen zu finden und sich an diesem zu rächen, auch wenn sie außer Albträumen kaum Erinnerung an den Vorfall hat. Aber ihr gelingt es schließlich, wieder an den Ort des Geschehens zurückzukehren.

Dort wird sie als Petitorin, als jemand, der Lügen erkennen kann, in den Kreis der Mächtigen aufgenommen und dient fortan dem düsteren Richter Kadra. Ausgerechnet er könnte der Mann sein, den sie schon so lange sucht. Aber je mehr und besser sie ihn kennenlernt, entwickeln sich auch andere Gefühle als Abscheu und Hass.


Das Ganze liest sich erst einmal sehr spannend, denn die Autorin nimmt sich Zeit, nicht nur die Geschichte ihrer Heldin von vorne aufzurollen, sondern ein interessantes Szenario aufzubauen - zumal die Sache nicht ganz so einfach ist, wie Sarai zunächst dachte. Schon bald kommt sie einer Reihe anderer Morde auf die Spur.

Kadra, ihr Meister, ist zwar alles andere als edel und gut, bedient sich wie alle anderen Richter der Stadt Edessa grausamer Methoden, um an die Wahrheit zu kommen, aber ist er wirklich das Monster, für den sie ihn hält? Nach und nach gibt es immer mehr Andeutungen und Entwicklungen, dass er genau das Gegenteil ist.

Anfangs überwiegt tatsächlich die Ermittlungsarbeit, die Geschichte erweist sich als spannender Thriller in einem Fantasy-Umfeld. Aber das verschiebt sich leider ab der Mitte immer mehr in Richtung Liebesgeschichte. Gerade am Ende kommt das sehr deutlich zum Tragen, weil sich die Handlung immer mehr verliert und die Aufdeckung der wahren Geschichte eher nebenbei abgehandelt wird.

Alles in allem krankt die Geschichte genau daran. Die Ideen sind interessant, die Spannung zunächst hoch, aber die Entwicklungen von Figuren und Handlung werden letztendlich wieder einmal für die gängigen Klischees der Romantasy verschenkt. Immerhin ist die Geschichte in sich geschlossen, auch wenn ganz offensichtlich noch ein weiterer Band erscheinen soll.

Die Figuren sind solide aufgebaut, wenngleich auch viele der Nebencharaktere eher blass bleiben. Auch vom Hintergrund sollte man nicht allzu viel erwarten, denn das Szenario beschränkt sich auf ein paar Gebäude der Stadt - eine ausgefeilte Kultur ist leider nicht zu erkennen.

„This Monster of Mine“ hat gute Voraussetzungen für einen spannenden Fantasy-Krimi, die aber leider sehr schnell wieder für das verschenkt werden, was heute gang und gäbe ist: eine leidenschaftliche Liebesgeschichte, die alle anderen Ideen schnell vergessen lässt und damit alle enttäuschen dürfte, die mehr als die übliche Romantasy lesen wollen.