Justine Pust: Whispers of Destiny (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Sonntag, 30. November 2025 11:48

Justine Pust
Whispers of Destiny
Piper, 2025, Paperback, 448 Seiten, 17,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Im Jahr 2096 ist die Welt überbevölkert, die Ressourcen sind knapp geworden und einige wenige Menschen halten nicht nur die Macht in Händen, sondern auch den Reichtum. Die anderen werden in Stufen eingeteilt, je nach Nutzen und Bedarf.
In dieser Welt gründet der Tod die Firma Death Calls mit angeschlossenem Call Center, dessen Mitarbeiter darüber entscheiden, wer weiterleben darf und wer stirbt, weil sie den Todeszeitpunkt der Betroffenen kennen.
Auch die einundzwanzigjährige Blue muss erfahren, dass ihre Lebenszeit bald abgelaufen ist. Aber da bietet ihr der geheimnisvolle Creek schon bald eine Chance, die sie nicht ablehnen kann. Denn wenn sie ein Call Center Agent wird, bekommt sie weitere dreißig Jahre geschenkt, auch wenn sie ihre beste Freundin zurücklassen muss.
Natürlich erkennt die junge Frau schon bald, dass der Job härter ist als erwartet und beschließt zu rebellieren. Aber dann erfährt sie auch noch andere Dinge die vieles in einem neuen Licht erscheinen lassen und schon bald die Richtung ihrer Wut ändern, denn es geht um nicht mehr und nicht weniger als das Leben ihrer neuen Freunde.
Normalerweise schildern Dystopien ja eher eine Mischung aus postabpokalyptischer Umwelt und Gesellschaft, teilweise auch noch garniert mit einem totalitären Regime. Diese Elemente sind auch hier enthalten, werden aber eher im Hintergrund gehalten, denn die Autorin konzentriert sich mehr auf das direkte Umfeld der Heldin.
Und die muss mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen leben, was sie mehr als einmal aus der Bahn wirft und wütend macht. Aber genau diese Verkettung von Ereignissen führt dazu, dass sie bald mehr wird als andere Call Center Agents und der Tod ein Auge auf sie hat. Denn tatsächlich ist er nicht der Böse, wie man zuerst denken mag, sondern nur eine Entität, die einfach nur beschlossen hat, etwas mehr in die Welt der Menschen einzugreifen, obwohl sie das eigentlich nicht darf.
Die wahren Gegenspieler enthüllen nach und nach ihr Gesicht, dabei ist es nicht verwunderlich, dass einige von denen sehr leicht erkennbare Namen tragen.
Found Family, die Ergründung von düsteren Geheimnissen und moralische Entscheidungen, die auch den Leser zum Nachdenken bringen, sind die Hauptthemen der Geschichte. Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz, aber die bleibt doch meistens im Hintergrund und darf erst zum Ende hin wirklich wichtig werden.
Vieles mag dem erfahrenen Leser bekannt erscheinen, es werden ein paar Klischees bedient, aber auf der anderen Seite auch unterhaltsam und neu präsentiert. Heraus kommt so ein Roman, der zwar viele Elemente beinhaltet, denen man bereits begegnet ist, aber dennoch genug Abwechslung bietet. Nur einen ausgefeilten Hintergrund sollte man nicht unbedingt erwarten, eher eine leichtfüßige Geschichte die ein paar Züge von Fernsehserien wie „Dead Like Me - So gut wie tot“ hat, aber in eine leicht dystopische Umgebung passt.
Sicherlich hätte man sich einen tiefergehenden Umgang mit den angesprochenen Themen für „Whispers of Destiny“ wünschen können, aber die Autorin hat sich gegen eine höchst depressive Dystopie entschieden und erzählt lieber eine unterhaltsame und manchmal augenzwinkernde Mystery-Story, in der vor allem Eines zählt: Ein Gewissen, moralische Integrität und Ethik, aber vor allem auch der Zusammenhalt in einer ungewöhnlichen Gemeinschaft, rund um den Tod.