Corum 1: Der scharlachrote Prinz (Comic)

Corum 1: Der scharlachrote Prinz
(The Chronicles of Corum: The Knight of the Sword, 2017)
Vorlage: Michael Moorcock
Text/Adaption: Mike Baron
Zeichnungen: Mike Mignola
Übersetzung: Christian Langenhagen
Cross Cult, 2020, Hardcover, 112 Seiten, 25,00 EUR, ISBN 978-3-966581-86-8

Rezension von Christel Scheja

In den 60er Jahren verfasste Michael Moorcock im Rahmen der wachsenden Fantasy-Begeisterung seine Geschichten um den Ewigen Helden. Als Gegenpol zu Elric von Melnibone, der den Mächten des Chaos die Treue schwor, setzte er den Elfenprinz Corum, der nach einem schweren Schicksalsschlag ein Ritter der Ordnung wurde.

Mike Mignola setzte diese Geschichten in den 80er Jahren für First Comics in Min-Serien um. Nun wurde die erste Saga noch einmal neu aufgelegt und von Cross Cult für die deutsche Ausgabe übernommen.


Bis vor Kurzem lebte der Vadagh-Prinz Corum Jhaelen Irsei ein friedliches und angenehmes Leben in der Burg seiner Familie und hatte mit Kampf und Tod nicht viel am Hut. Doch als er bei einer befreundeten Familie nach dem Rechten sehen will, ändert sich alles. Ein kriegslüsterner Fürst der Mabden hat es darauf abgesehen, alle Mitglieder der älteren Völker zu vernichten. Er fängt auch Corum ein und will ihn zu Tode foltern, aber das Schicksal hat dem jungen Prinzen einen anderen Weg bestimmt.


Ein wenig erinnert die Geschichte von Corum an die von Elric, denn auch jener ist der letzte Vertreter seines Volkes und musste eine harte Prüfung durchmachen, um sein altes Leben ganz aufzugeben und sich fortan seiner Aufgabe als Ewiger Held zu widmen. Allerdings ist der junge Vadagh ganz anders gestrickt als sein Schicksalskamerad, was man am Ende auch an seiner Entscheidung merkt.

Bis es so weit ist, bekommt er aber erst einmal die Grausamkeit der sterblichen Mabden zu spüren, aber auch deren Mitleid und Freundlichkeit. Vermutlich ist es die Hilfsbereitschaft einer menschlichen Fürstin, die ihm hilft, sich nicht ganz dem Hass zu ergeben und zu einem Vernichter der Sterblichen zu werden. Er bewahrt sich auch noch einen Funken Licht in seinem Inneren, das ihn einen anderen Weg gehen lässt, auch wenn er von nun an Träger zweier verfluchter Artefakte wird.

Das ganze ist von Mike Baron und Mike Mignola in einen epischen aber auch recht geerdeten Comic übertragen worden. Wer Mignola kennt weiß, dass dieser nicht unbedingt auf ätherische Schönheit setzt, sondern mehr auf Typen - und die kommen auch hier zum tragen; sie zeigen mehr vom Charakter der Figuren als man erwartet.

Die Erzählung wird dadurch sehr intensiv und weckt zugleich Erinnerungen an die Zeit, in der heroische Fantasy noch weit einfacher gestrickt war - eine schöne Reminiszenz an die alten Tage, in denen die Seiten noch klar unterschieden wurden, auch wenn es erste Grautöne geben durfte.

„Corum“ 1, „Der scharlachrote Prinz“, ist eine epische Fantasy-Geschichte, die auch heute noch gut lesbar ist, weil sie alle Elemente der Heroic Fantasy und von schmutzigen aber epischen Intrigen-Geschichten enthält, die heute wieder so beliebt geworden sind. Es lohnt sich durchaus, einen Blick zu riskieren.