Stephan Russbült: Lord Limbus (Buch)

Stephan Russbült
Lord Limbus
Titelbild: Anton Kokarev
Bastei Lübbe, 2015, Paperback, 448 Seiten, 14,00 EUR, ISBN 978-3-404-20794-7 (auch als eBook erhältlich)

Rezension von Christel Scheja

Stephan Russbült ist einer der Autoren, die ein Herz für die Kreaturen in der Fantasy beweisen, deren Schicksal es normalerweise ist, durch die Hand der Helden zu sterben, um deren Ruhm zu mehren. Dämonen und Oger standen bisher im Mittelpunkt seiner Romane, nun sind es in „Lord Limbus“ die Untoten.


Reuben Tain war einst Magier am Hof des Königs, hat aber gemerkt, dass er sich nicht länger an den Kriegen des Herrschers und den Intrigen der Adligen beteiligen will, vor allem nachdem Unschuldige starben. Aus diesem Grund hat er sich in ein abgelegenes Dorf zurückgezogen und lebt dort als einfacher Priester.

Als Barbaren seine Wahlheimat überfallen, versucht er sie mit Magie zu vertreiben, doch das geht übel in die Hose, denn die Schamanen der Angreifer wissen ihn abzuwehren und auszuschalten. Erst dreißig Jahre später erwacht er wieder. Nach und nach realisiert er, dass er nicht mehr unter den Lebenden weilt, er aber auch nicht ganz hinüber ist - er ist zu einem Untoten mit einer gewissen Macht geworden, einem lebenden Leichnam, auch Lich genannt.

Mit seinen neuen Kräften kann er andere Tote um sich scharen und mit diesen Skeletten, Wiedergängern und Ghulen eine Armee schaffen, durch die er Rache an den Barbaren nehmen kann. Doch das hat auch seine Schwierigkeiten.

Zur selben Zeit werden ein junger Sklave und seine Freundin an einen geheimnisvollen Mann verkauft, der beiden eine Chance bietet, die sie niemals zuvor in ihrem Leben hatten.


Wer nun sehr viel Action und Schlachten erwartet, wie man es etwa aus den „Warcraft“-Romanen kennt, der wird enttäuscht. Denn der Autor nimmt sich die Zeit, seinen Helden erst einmal in die Rolle des Monsters hineinwachsen zu lassen. Reuben ist sich zunächst gar nicht bewusst, was mit ihm passiert ist und begreift erst nach und nach welchen Veränderungen er unterworfen wurde, bekommt dann aber auch wenigstens Schützenhilfe durch einen ehemaligen Feind und noch jemand anderen, der ebenfalls nichts dagegen hat, dass der ehemalige Magier sein untotes Leben der Rache widmen möchte.

Die Nebenhandlung erzählt derweil die Geschichte zweier Sklavenkinder, die ihr Leben unter der Herrschaft der Barbaren fristen und nichts anderes kennen als das unfreie Leben. Doch ihr neuer Besitzer scheint eigene Pläne mit ihnen zu haben.

Da beides fast gleichrangig nebeneinander her erzählt wird und so gesehen nicht viel passiert, wirkt die erste Hälfte des Buchs eher behäbig und schwergängig. Das ändert sich, als Reuben den Kontakt mit der Welt der Lebenden wagt und nach den ersten holprigen Versuchen, sich dort zu bewegen, endlich seine Rache nimmt.

Auch wenn er eigentlich ein Monster ist, so weiß der untote Magier doch auch zu gefallen, bewahrt er sich viel von seiner Menschlichkeit und hat nachvollziehbare Gründe, seine Armee auf die Welt der Lebenden los zu lassen. Am Ende werden zudem die Handlungsstränge zusammengeführt und die Karten neu gemischt, so dass es durchaus noch eine Fortsetzung geben kann.

Alles in allem weiß „Lord Limbus“ zu gefallen, weil Stephan Russbült wieder einmal Kreaturen neue Facetten abgewinnt und zu Helden macht, denen man sonst in der Fantasy eher als Kanonenfutter begegnet. Oder auch als gefährliche Hauptgegner, die normalerweise alle Menschlichkeit und Güte abgelegt haben.