Manifest Destiny 6: Fortis & Invisibilia (Comic)

Chris Dingess
Manifest Destiny 6
Fortis & Invisibilia
(Manifest Destiny, Vol. 6, 2017)
Übersetzung: Frank Neubauer
Titelbild und Zeichnungen: Matthew Roberts
Cross Cult, 2018, Hardcover, 128 Seiten, 20,00 EUR, ISBN ISBN 978-3-95981-779-0

Rezension von Christel Scheja

Die Expedition von Captain Meriwether Lewis und Second Lieutenant Clark zu Anfang des 19. Jahrhunderts mag zwar historisch durch deren Berichte und Tagebücher belegt sein, aber sie erlaubt auch phantasievollen Autoren Einiges hinein zu interpretieren und so neue Abenteuer zu deren eigenen zu machen, wie „Manifest Destiny“ im sechsten Band wieder unter Beweis stellt.

 

Noch immer hält der Winter das Land fest in seinen Klauen und macht eine Weiterreise unmöglich, so dass sich die Expedition und die Siedler auch weiterhin in ihrem hastig zusammengezimmerten Fort verstecken und versuchen, die langweilige Zeit zu überstehen. Auch wenn alles friedlich bleibt, so weicht doch die Spannung und die Angst nicht von ihnen und jeder kleine Vorfall kann die Panik erneut schüren. Vor allem der neu entdeckte Torbogen sorgt für Spannung. Die Männer wollen, dass er zerstört wird, weil sie glauben, das jederzeit neues Übel durch ihn kommen könntenaber Lewis und Clark weigern sich und lösen dadurch eine weitere Rebellion aus, vor allem als dann auch noch eine lebendig scheinende Leiche auftaucht. Lewis hat alle Hände voll zu tun, um das Chaos einzudämmen, doch auch eigene Probleme. Denn er sollte schleunigst damit aufhören, den Stimmen in seinem Kopf zu misstrauen.


Der Band setzt die Geschehnisse des letzten fort und verschärft die Paranoia noch einmal, denn ausgerechnet Captain Lewis weiß nicht mehr so recht, was er glauben und denken soll, lässt sich all zu lange von den Stimmen in seinem Kopf leiten und schürt damit das Misstrauen in seinen Leuten. Clark treibt sich lieber woanders herum… und die frischgebackene Mutter scheint kein Interesse an ihrem Sohn zu haben, denn Sacagawea zieht es lieber hinaus zur Jagd.

Das Szenario wird immer beklemmender, selbst jene, die noch bei klarem Verstand zu sein scheinen, beginnen an diesem zu zweifeln.

Die Natur verhält sich erstaunlich ruhig, schafft es aber durch Kleinigkeiten, die Angst zu schüren, was das Geschehen noch spannender macht, denn niemand weiß so wirklich, was als Nächstes passieren könnte.

Wieder schafft es Chris Dingess, die Auswirkung menschlicher Schwächen mit einem Schuss Horror zu verbinden und damit die Handlung unvorhersehbar zu machen. Denn Clark, Lewis und all die anderen sind keine Helden, eher das Gegenteil davon. In der angespannten Umgebung sind viele von ihnen bereit, die dünne Schale der Zivilisation von sich zu werfen. Aber vielleicht will das die Natur ja auch erreichen?

Es bleibt jedenfalls spannend und macht Lust auf mehr, denn bisher haben Autor und Künstler der Expedition immer noch neue Aspekte abgewinnen können, an die man als Leser nicht unbedingt gedacht haben mag.

Der sechste Band von „Manifest Destiny“ vertieft die angespannte Lage und zwingt die Hauptfiguren dazu, neue Wege aus ihrem Schlamassel zu finden, was nicht einfach ist, da die Natur um sie herum auf Lauerstellung zu liegen scheint, und die phantastischen Bedrohungen kein Ende nehmen, auch wenn sich der Horror diesmal in Grenzen hält.