Gruselkabinett 107: Der weiße Wolf von Kostopchin, Gilbert Campbell (Hörspiel)

Gilbert Campbell & Marc Gruppe (Script)
Der weiße Wolf von Kostopchin
Gruselkabinett 107
Sprecher: Hans Beier, Pascal Breuer, Anja Kruse u.a.
Cover von Ertugrul Edirne
Titania Medien, 2015, 1 CD, ca. 61 Minuten, ca. 8,99 EUR, ISBN 978-3-7857-5171-8

Von Christel Scheja

Gilbert Campbell (1838-1899) war ein Adelsspross irischer Abstammung, der in England aufgewachsen war und später sein Geld durch das Übersetzen von französischen Romanen und das Verfassen eigener Geschichten verdiente. Da er immer ein wenig in Geldnot war, erlaubte er sich Betrügereien, für die er 1892 sogar ins Zuchthaus wanderte. „Der weiße Wolf von Kostopchin“ erschien 1889 und gehört zu seinen wenigen, heute noch bekannten Werken.

 

Pawel Sergejewitsch wurde aus Russland verbannt, zog aber zusammen mit seinen Kindern Alexej und Olga in die Karpaten, um sich dort niederzulassen, ehe er nach Sibirien geschickt werden konnte. Hier fristet er mit seinem russischen Gesinde ein eher einfaches Leben, das von harter Arbeit geprägt ist. Umso schlimmer ist es deshalb, als ein weißer Wolf die Gegend heimsucht, der immer wieder Menschen anfällt und ihnen den Leib aufreißt. Als gleich mehrere Bewohner des nahegelegenen Dorfes sterben, ist das Maß voll und Pawel macht sich auf die Suche nach dem Biest, um es zu erlegen.

Fast zur selben Zeit sucht eine geheimnisvolle junge Frau mit einer tragischen Geschichte,  die der Gutsherr selbst kennt, Zuflucht bei ihm. Und wie es das Schicksal will, verliebt er sich in Ravina…


Wem die Geschichte in ihren Grundzügen bekannt vorkommt, der muss sich nicht wundern, denn gut ein halbes Jahrhundert zuvor wurde schon einmal eine ähnliche Mär aus den verschneiten Weiten einer Gegend erzählt, die für düsterromantische Geschichten geradezu prädestiniert ist.

So gesehen erwarten den Kenner keine besonderen Überraschungen, die einzige Spannung, die entsteht, liegt in der Erwartung des Moments, in dem die zentralen Figuren auch begreifen, was eigentlich los ist und die entsprechenden Maßnahmen ergreifen oder wer am Ende dem Fluch zum Opfer fällt.

Diesmal beschränkt sich das Hörspiel bewusst auf wenige Personen, die so den entsprechenden Raum erhalten. Die Sprecher geben ihnen durchaus Leben, können aber auch nicht verhehlen, dass es schwer ist, aus den Archetypen auszubrechen, die der Stoff vorgibt. So will nicht ganz die Atmosphäre aufkommen, die man sich erhofft, da die Charaktere dem Zuhörer schreckend fremd bleiben und man nicht wirklich an ihrem Schicksal Anteil nimmt. Daran kann auch der wie immer ausgezeichnete Klangteppich aus Musik und Geräuschen nicht viel ändern.

„Der weiße Wolf von Kostopchin“ ist durchaus ein solides produziertes Hörspiel der „Gruselkabinett“-Reihe, aber leider nicht mehr. Es gehört zu den schwächeren Titeln, da die Handlung vorhersehbar ist und auch die Figuren nicht wirklich aus den klassischen Rollen ausbrechen können, um so mehr Interesse bei den Zuhörern zu wecken.